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Die
Aufgaben und Ziele der DGM
Die Aufgabe der Gesellschaft
sollte, so wurde bei der Gründung beschlossen,
vor allem der weitere Ausbau der Metallkunde sein.
Die Gesellschaft wollte das Forum werden, vor
dem die neuen wissenschaftlichen und technologischen
Erkenntnisse vorgetragen und diskutiert werden
sollten. Sie wollte diese damit den Fachkreisen
zugänglich machen und durch die gegenseitige
Vermittlung von Kenntnissen und Erfahrungen, zwischen
Wissenschaft und Praxis anregend auf beide Seiten
einwirken. Sie wollte ferner die Vertreter der
Metall-erzeugenden mit denen der Metall-verbrauchenden
Werke, und in Sonderheit mit den Konstrukteuren,
zu verständnisvollem Gedankenaustausch zusammenführen.
Zur Verfolgung der Gesellschaftsziele wurden Vortragsabende
im Hause des Vereins Deutscher Ingenieure in Berlin,
Metallfachabende in anderen Städten sowie
jährlich eine Hauptversammlung veranstaltet.
Es wurden Ausschüsse zur Bearbeitung vordringlicher
Probleme eingesetzt, und es wurden in zwangloser
Folge Fachtagungen veranstaltet. Mit alledem war
ein Rahmen abgesteckt, der sich bis auf den heutigen
Tag erhalten hat.
Im Grunde hat sich
die wohl bei allen wissenschaftlichen und technischen
Gesellschaften gleichermaßen übliche
Art der mündlichen Information und Diskussion
bewährt. Wie Wilhelm Rohn in einem Rückblick
1939 angemerkt hat, war die rege Beteiligung und
das zähe Ausharren der Hörer für
die Tagungen der Gesellschaft charakteristisch
und haben manche ehrliche Anerkennung, hin und
wieder allerdings auch leisen Spott, eingetragen.
Einst wurden auf einer Hauptversammlung etwa sechs
Haupt- und 15 Kurzvorträge gehalten. Damals
saß die ganze Metallgemeinschaft in einem
Saale, hörte und sprach mit einer allen gemeinsamen
Sachkenntnis.
Die überall in
den letzten Jahrzehnten in Wissenschaft und Technik
sich vollziehende Spezialisierung in einzelne
Fachgebiete hat auch vor der DGM nicht Halt gemacht.
Die Gesamtschau, wie sie zur Zeit der Gründung
und noch lange danach bestand, gibt es heute nicht
mehr. Mit wachsender Vertiefung der wissenschaftlichen
Kenntnisse entstand so auch eine stärkere
Aufgliederung in einzelne Spezialgebiete innerhalb
der DGM. Der Gesellschaft fallen deshalb schon
seit langem zwei wichtige Aufgaben zu: Die eine
besteht darin, den Gedankenaustausch in der Breite
zu fördern, den Spezialisten unter uns immer
wieder Gelegenheit zu geben, über den eigenen
Zaun in benachbarte Gebiete zu blicken und so
Anregungen aus anderer Denkrichtung für das
eigene Arbeitsgebiet zu bekommen. Parallel dazu
muss die DGM Einrichtungen und Möglichkeiten
schaffen, die der Fachwelt den Gedankenaustausch
in die Tiefe erleichtert. In beide Aufgabengebiete
ist die Gesellschaft im Laufe der Jahre hineingewachsen.
Vorträge für den interessierten Fachkollegen
des Nachbargebietes auf den Hauptversammlungen,
den Symposien und Metallfachabenden auf der einen
Seite, und auf der anderen Seite Fachkonferenzen
und im besonderen Maße die regelmäßigen
Sitzungen der zahlreichen Fachausschüsse,
bei denen die Fachleute unter sich den neuesten
Entwicklungen ihres Gebietes nachspüren,
tragen diesen Aufgaben der DGM Rechnung.
Mit diesen Ausrichtungen
wuchs die Zahl der Veranstaltungen stetig bis
zum heutigen Umfang. Aus einer kleinen Gruppe
von einigen hundert Teilnehmern pro Jahr ist heute
ein Kreis von einigen tausend Fachleuten aus dem
In- und Ausland geworden. Als Organ für ihre
wissenschaftlichen Veröffentlichungen und
Gesellschaftsnachrichten übernahm die Gesellschaft
die 1909 von William Guertler gegründete
"Internationale Zeitschrift für Metallographie",
deren erster Band 1911 herauskam und die 1916
in Zeitschrift für Metallkunde umbenannt
worden war. Von Anfang an wurde die Zeitschrift
dem grenzübergreifenden Wissenschaftsaustausch
gerecht und von Metallkundlern aller Länder
in Ost und West zur Publikation ihrer Arbeiten
benutzt - und das ist bis heute so geblieben.
Nur unter den politischen Zwängen in der
Zeit von 1933-1945 musste der internatinale Charakter
weitgehend zurückgeschnitten werden.

Bild 1: Die Entwicklung der Seitenzahlen der Zeitschrift
für Metallkunde
Aus dem Umfang der
Zeitschrift lässt sich das politische Geschehen
in unserem Jahrhundert ablesen. Wie aus Bild 1
hervorgeht, beginnt die Zeitschrift 1911 mit einer
Seitenzahl von beinahe 400 und erscheint bereits
1913 in zwei Bänden mit insgesamt über
600 Seiten. Durch den ersten Weltkrieg wird der
beachtliche Aufwärtstrend der Anfangsjahre
stark gebremst und im Kriegsjahr 1917 konnte kein
Band herausgegeben werden. Doch schon gleich nach
Kriegsende wurde die Zeitschrift, jetzt als Organ
der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde,
weitergeführt mit einer jährlichen Seitenzahl
von durchschnittlich 450. Von 1927 bis 1935 ist
ein stetiger Rückgang zu verzeichnen, der
die Herren Dr. Masing und Dr. Rohn als Vorsitzende
der Gesellschaft veranlasst hat, die Schriftleitung,
die bis dahin der DGM-Geschäftsführung
oblag, dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Metallforschung,
dem heutigen Max-Planck-Institut für Metallforschung
in Stuttgart, anzuvertrauen.
Obwohl schon im Zeichen
des Vierjahresplanes und der Papierbeschaffung
stehend, folgt zwischen 1936 und 1941 eine Zunahme
des Umfangs auf durchschnittlich wieder 450 Seiten.
Diese Aufwärtsentwicklung wird durch den
zweiten Weltkrieg unterbrochen, die Kurve bewegt
sich zum Nullpunkt im Jahre 1945. Aber schon 1946
erwacht die Zeitschrift durch die Initiative des
Max-Planck-Instituts und des Dr. Riederer-Verlags
in Stuttgart zu neuem Leben. Und heute liegt ihr
Umfang nach einigen verlags- und inhaltsbedingten
Schwankungen in den fünfziger und sechziger
Jahren bei rund 900 Seiten jährlich. Eine
weitere Erhöhung wäre wünschenswert
und vom Aufsatzeingang her gesehen unproblematisch,
denn die Zeitschrift hat sich zu einem weltweit
anerkannten Fachorgan entwickelt, jedoch lassen
kommerzielle Gesichtspunkte des Verlags eine Erhöhung
des Umfangs nicht zu.
Die ursprünglich
im Verlag Bornträger erscheinende Zeitschrift
ging 1924 an den Verlag Deutscher Ingenieure über.
Seit dem Neubeginn im Jahre 1945 hat der Dr. Riederer-Verlag
die Zeitschrift bis 1991 verlegt, seither erscheint
sie im Carl Hanser Verlag in München.
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Werner Köster
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Aus der Reihe der Schriftleiter, die sich um
die Zeitschrift verdient gemacht haben, ragt ein
Mann heraus: Werner Köster, der grand seigneur
der DGM. Sein großes Engagement und seine
Umsicht haben der Zeitschrift, die er 42 Jahre
leitete, zu hohem Ansehen und internationaler
Verbreitung verholfen. Zu seinem ehrenden Andenken
hat die DGM zusammen mit dem Carl Hanser Verlag
den Werner-Köster--Preis gestiftet, mit dem
alljährlich ein herausragender Aufsatz der
Zeitschrift für Metallkunde ausgezeichnet
wird.
Die Gründer der
Gesellschaft sahen in der Herausgabe der Zeitschrift
für Metallkunde eine ihrer vornehmsten Aufgaben.
Sie sollte ein Band zwischen den Mitgliedern sein
und die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung
verbreiten, die Entwicklungslinien des metallischen
Werkstoffes darstellen, die technischen Neuerungen
im Bereich der Metallverarbeitung beschreiben
sowie über die fachlichen und gesellschaftlichen
Ereignisse berichten. Diese Aufgaben hat die Zeitschrift
immer erfüllt, wenn sich auch ihre inhaltlichen
Schwerpunkte mehrmals verschoben haben. So verstand
sich die Zeitschrift anfangs als Forum für
einen allgemeinen Austausch von wissenschaftlichen
und technischen Informationen. Neben wenigen Originalaufsätzen
nahmen Übersichtsberichte über die wirtschaftliche
Situation der metallverarbeitenden Industrie und
über die Patentsituation einen breiten Raum
ein. Bis weit in die 30er Jahre hinein sind Aufsätze
aus der Technologie und der Wissenschaft zahlenmäßig
gleich vertreten. Mit zunehmender Konsolidierung
der Metallkunde und später der Werkstoffkunde
als eigenständige wissenschaftliche Disziplinen
nehmen die wissenschaftlich orientierten Aufsätze
überproportional zu, so dass die Zeitschrift
heute einen nahezu rein wissenschaftlichen Charakter
hat. Dabei wird der Inhalt weitgehend durch die
erreichten Fortschritte in der Metallkunde geprägt.
In Bild 2 sind beispielhaft einige Themen aufgeführt,
die ihren Niederschlag in der Zeitschrift für
Metallkunde gefunden haben. Über viele Grundthemen
wie die Konstitution, Diffusion, usw. wird seit
Bestehen der Zeitschrift aktuell berichtet. Hinzu
kommen ständig neue Erkenntnisse, Methoden
und Entwicklungen, die das Fachgebiet facettenreicher
machen und denen dementsprechend in der Zeitschrift
Rechnung getragen werden muss.

Bild 2: Entwicklung der
Metallkunde im Spiegel der Zeitschrift für
Metallkunde
Mit der stürmischen Entwicklung auf dem
metallkundlichen Fachgebiet wuchs auch die Forderung
nach Publikationswegen, die eine möglichst
aktuelle Vemittlung neuer Ergebnisse und Informationen
für den Praktiker möglich machte. Diesem
Wunsch gerecht zu werden, ist stets ein vorrangiges
Ziel der DGM gewesen. Deshalb werden zusätzlich
zur Zeitschrift für Metallkunde auch andere
Veröffentlichungswege von der DGM nachhaltig
unterstützt. So beteiligt sich die DGM intensiv
über ihre Mitglieder, insbesondere durch
ihren Fachausschuss Metallographie, an der 1964
von G. Petzow, G. Reinacher und Ch. Wachau gegründeten
Zeitschrift Praktische Metallographie. Sie wendet
sich vor allem an die in den Laboratorien tätigen
Metallographinnen und Metallographen und unterrichtet
über die gerätemäßigen, methodischen
und präparativen Weiterentwicklungen der
Metallographie. Sie dient aber auch der Fortbildung
unserer technischen Mitarbeiter durch Aufnahme
von Übersichtsvorträgen und Originalmitteilungen.
Außerdem wurde 1970 die "Zeitschrift
für Werkstofftechnik", heute "Materialwissenschaft
und Werkstofftechnik", unter maßgeblicher
Beteiligung der DGM gemeinsam mit der DECHEMA
und dem VDEh ins Leben gerufen. Einen weiteren
Weg zur Verbreitung wissenschaftlicher und technischer
Erkenntnisse beschritt die DGM im Jahre 1980 mit
der Gründung eines eigenen Verlages, der
DGM-Informationsgesellschaft mbH. In diesem Verlag
erschienen bis heute etwa 120 Titel, meist Tagungsberichte
und Fortbildungsmanuskripte, aber auch einige
Monographien und Dissertationen.
Seit 1990 gibt die DGM
ihr eigenes Mitteilungsblatt, die DGM-AKTUELL,
heraus, das die Mitglieder allgemein über
die Arbeit in den Fachgremien informiert und dabei
auch wichtige förderungspolitische und ausbildungsrelevante
Fragen berührt.
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