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Zur Geschichte der DGM

 

 

Die DGM als Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis  

"In der Denkschrift der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft von 1922 wurde der Metallindustrie in Deutschland eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Entwicklung im Nachkriegsdeutschland zugewiesen. Im krassen Gegensatz zu diesem Anspruch befand sich der Wissensstand über das Wesen des metallischen Zustands. Es nimmt daher nicht Wunder, dass sich schon vor der Gründung der DGM führende Männer aus der Industrie für den Gedanken engagierten, ein Forum für die gemeinsame Arbeit von Wissenschaft und Technik auf dem Gebiet der metallischen Werkstoffe zu schaffen.

Neben der Mitarbeit der Industrie bei der Formulierung und Lösung metallkundlicher Probleme spielte die materielle Seite eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das war frührer nicht anders als heute. Wie aus einem Bericht aus der Feder des Mitbegründers der DGM, Prof. William Guertler, hervorgeht, stellte die Metallgesellschaft AG, Frankfurt, einen Betrag von 50000 RM zur Verfügung. Vermittler dieser Starthilfe war Johan Czochralski, Oberingenieur und erster Leiter des Metall-Labors der Metallgesellschaft. Fünfzig Jahre danach war es ebenfalls die Industrie, die durch eine auf fünf Jahre befristete Spende den Weg der DGM in die Zukunft ebnete. Auch die jährlichen Zuwendungen des Stifterverbandes Metalle und des Fachverbandes der Metallindustrie Österreichs seien erwähnt. Aus ihnen wird u. a. alljährlich der Georg-Sachs-Preis für die beste Leistung für praxisnahe wissenschaftliche Tätigkeit von Nachwuchskräften auf dem Gebiet der NE-Metalle finanziert. Zugleich wird damit auch einer bedeutenden Persönlichkeit in Ehren gedacht, die in außergewöhnlichem Maße für die praktische Metallkunde gewirkt hat.

So wichtig diese materiellen Hilfen für die DGM waren und auch heute noch sind: Die erfolgreiche Brückenfunktion der DGM zwischen Wissenschaft und Praxis gründet seit 1919 auf der gemeinsamen Arbeit von engagierten Mitgliedern aus beiden Lagern - dem der Industrie und dem der Wissenschaft. Diese Bemühungen spiegeln sich bis zum heutigen Tag wider in der Besetzung des Vorstands und der Wahl der Vorsitzenden, die seit 1919 die Geschicke der DGM leiten. Wie aus der Auflistung der Vorsitzenden im Anhang dieser Festschrift hervorgeht, ist, bis auf wenige Ausnahmen, der regelmäßige Wechsel zwischen Industrie und Forschung im Vorsitz eingehalten.

"Wir Ingenieure werden in der Gesellschaft eine Stätte finden, in der wir Auskunft holen und erteilen können", sagte Wilhelm Wunder, Oberingenieur der AEG-Kabelwerke Oberspree, bei der Gründung. Wie ein roter Faden zieht sich auch der Wille zur engen Verbindung zwischen Industrie und Wissenschaft durch die wiederholt geänderten, den gesellschaftlichen und rechtlichen Anforderungen angepassten Satzungen der DGM.

Ganz in diesem Sinne ist auch das Wirken des Kuratoriums der DGM zu sehen, in dem hochrangige Vertreter aus Industrie und Wissenschaft die mittel- und langfristigen Entwicklungen in Wirtschaft und Forschung im Hinblick auf notwendig werdende Weichenstellungen zur Optimierung der DGM-Aktivitäten diskutieren und zu deren Realisierung beitragen. Das Kuratorium trat erstmals im Januar 1992 zusammen und wählte Dr. W. Eychmüller von den Wieland-Werken in Ulm zu seinem Vorsitzenden.

Georg Sachs Georg Masing

Der fruchtbare Gedankenaustausch unter den Mitgliedern aus beiden Lagern begann sehr bald nach der Gründungsveranstaltung am 23. Januar 1920 mit einem Vortrag von O. Lasche, Direktor der AEG-Turbinenfabrik zum Thema "Anfressung an Kondensatorrohren aus Messing". H. Bröking erinnert sich an die erste Hauptversammlung vom 21. bis 23. September 1920 in Berlin: "Der Rahmen der Hauptversammlung war schlicht und einfach, ohne Blumenschmuck, aber dennoch feierlich. Ich erinnere mich gern an den damals jungen, schlanken Dr. Georg Masing im schwarzen, vornehmen Gehrock und seinen allseitig mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag zum Thema 'Rekrystallisation von Zink und Zinn' mit zahlreichen vorzüglichen Gefügebildern. Der ebenfalls feierlich schwarz gekleidete Geheimrat Heyn eröffnete die kaum enden wollende lebhafte Diskussion, an der sich die Herren Fraenkel, Czochralski, Werner und Fuchsel beteiligten. Auch ein Damenprogramm gab es schon. Für sie war eine Fahrt nach Potsdam und Sanssouci vorgesehen. Der gemeinsame Ausflug am letzten Tag ging nach Kloster Chroin."

Fachausschusssitzungen, Metallfachabende, Fachtagungen und Unterrichtskurse, zum Beispiel zum Thema "Werkstoff und Konstrukteur" wurden abgehalten. Auch das gab es bereits wenige Jahre nach der Gründung der DGM: Einen Werkstofftag, der gemeinsam vom Verein Deutscher Ingenieure, vom Verein Deutscher Eisenhüttenleute und von der Gesellschaft für Metallkunde im Oktober 1927 in Berlin auf einer Ausstellungsfläche von 14000 qm mit einer fast unglaublichen Besucherzahl von 235000 Personen veranstaltet wurde.

Angesichts eines solchen Gemeinschaftserfolges wurde immer wieder über ein engeres Zusammengehen mit anderen Verbänden nachgedacht und eine enge Kooperation angestrebt. So brachte dann auch der Metalltag 1939 in Graz den offiziellen Zusammenschluss der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde mit der seit 1912 bestehenden Gesellschaft Deutscher Metallhütten- und Bergleute. Die neue Gesellschaft trug den Namen "Metall und Erz". Damit sollte die Einheit der wissenschaflichen Grundlagen und technologischen Gegebenheiten des Weges vom Erz und Metall herausgestellt und wirksam gestaltet werden. Die neue Gesellschaft war in drei Fachkreise gegliedert: Fachkreis für Erzbergbau, Fachkreis für Hüttenkunde und Fachkreis für Metallkunde.
Während des Krieges aber konnte der dem Zusammenschluss zugrunde liegende Gedanke nicht lebendig entwickelt werden, und nach dem Kriege hatte jeder mit sich selbst zu tun, so dass die größeren Ziele nicht weiter verfolgt worden sind.

Nach dem Kriege wurde der Sitz der Gesellschaft für Metallkunde nach Stuttgart verlegt. Den Vorsitz hatte von 1947 bis 1952 Georg Masing. Er gehörte zu den Gründern der Gesellschaft, erkannte ihre Entwicklung und alle ihre Mitglieder und genoss allseitiges Vertrauen. Vor allem aber war er einer der Pioniere der Metallkunde in Deutschland und als Erbe der metallkundlichen Forschung von Tammann an der Universität Göttingen der Doyen unseres Faches. Unbestreitbar hat die DGM ihm bei dem Wiederaufbau unserer Gesellschaft viel zu danken. Sie hat ihm zu Ehren den Masing-Gedächtnispreis gestiftet, mit dem jährlich die beste Leistung der metallkundlichen Forschung junger Wissenschaftler ausgezeichnet wird.

Als Geschäftsführer wirkte Erich Scheil ehrenamtlich. Er hat sich in einer Zeit voller Entbehrungen dieser Aufgabe mit dem Charme seiner Persönlichkeit und bewundernswertem Geschick zur Improvisation gewidmet.
1953 übernahm Bernhard Trautmann die Geschäftsführung. Die Geschäftsstelle wurde nach Köln, seinem Wohnsitz, verlegt. Ihm stand Marianne Frangen stellvertretend zur Seite. Von 1971 bis 1990 lag die Geschäftsführung in den Händen von Volker Schumacher, dessen Nachfolger Peter Paul Schepp wurde.

 

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