DGM – kompetenter
und einflussreicher Partner der Werkstoff orientierten
Fachwelt
"Die technisch-wissenschaftlichen
Vereine sind die Garanten der fachlichen Kommunikation
in einem zunehmend pluralistischen Umfeld". Können
wir diese Behauptung wagen angesichts der umfassenden
personellen und materiellen Ausstattung der staatlichen
Institutionen und privatwirtschaftlichen Dienstleistungsbetriebe
in Forschung und Lehre? Können wir erwarten, dass
die Vereine vor dem Hintergrund einer durchorganisierten
Wissenschaftswelt als ernst zunehmende Plattform für
die fachliche Kommunikation überhaupt noch eine
Chance haben?
Die technisch-wissenschaftlichen
Vereine verkörpern heute angesichts der zunehmenden
Komplexität und Interdisziplinarität in den
meisten Fachgebieten Kompetenz und Überschaubarkeit
zugleich. Wie könnte es anders sein, dass sich
namhafte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und
Industrie für die Mitarbeit in den Vereinen zur
Verfügung stellen? Die Vereine bieten das Forum,
auf dem sich die unterschiedlichsten Interessengruppen
zwischen Staat und Privatwirtschaft begegnen und miteinander,
sei es informell, sei es öffentlich kommunizieren.
Sie schaffen damit die Voraussetzung für die Vernetzung
von Wissenschaft und Praxis, ohne die Wissenstransfer
schwerlich gelingt. Ihre Fachgremien bilden den vorwettbewerblichen
Rahmen für die erfolgreiche Umsetzung der gemeinschaftlich
erarbeiteten Forschungsergebnisse. In der öffentlichen
und privaten Forschungsförderung wird die Empfehlung
der Vereinsrepräsentanten vertrauensvoll gewürdigt.
Wo könnten in diesen Zeiten des Umbruchs gerade
auch Fragen der Ausbildung im institutionellen Vorfeld
besser abgestimmt werden als auf der Ebene der Vereine?
Die Vereine tragen entscheidend
dazu bei, die Identität der Fachgebiete immer wieder
neu zu definieren. Materialwissenschaft und Werkstofftechnik haben ihre Identität in den letzten Jahren erst
entwickeln müssen. Auch in der weiterverarbeitenden
Industrie sind sie heute aus der rein analysierenden
oder beratenden Rolle herausgetreten, um eine aktivere
Rolle im Rahmen der Produktgestaltung zu übernehmen.
In den Industrien der Primärerzeugung und Halbzeugfertigung
haben die Metallurgie und Metallkunde diese eigenständige
Rolle schon seit jeher. Aber mit zunehmender Fähigkeit,
maßgeschneiderte Produktlösungen anzubieten
oder sogar neue Funktionen im Werkstoff, eben funktionelle
Werkstoffe, hervorzubringen, bekommt die Werkstofftechnik
auch allgemein strategische Bedeutung. Mit "Neuen
Werkstoffen" und unkonventionellen Herstellverfahren,
aber auch mit nie da gewesenen Prüf- und Beobachtungsmöglichkeiten
gehört sie heute weltweit zu den potentesten Innovationsfeldern.
Mit dieser Perspektive kann Werkstofftechnik von den
eingeführten Ingenieurfächern, namentlich
Maschinenbau und Elektrotechnik, immer weniger "mit
erledigt" werden.
Der Prozess der gesellschaftlichen
Anerkennung des "Werkstofffaches" ist also
in vollem Gange. Ich bin davon überzeugt, dass
die DGM für die Identitätsdiskussion ein hervorragendes
Forum darstellt. Die deutsche Gesellschaft für
Materialkunde bietet dafür allen Werkstoff orientierten
Fachleuten, und zwar Wissenschaftlern wie Praktikern
gleichermaßen, ein kompetentes Forum. Durch die
Vielgestaltigkeit ihres Mitgliederpotentials, durch
die lebendige Arbeit in den zahlreichen Fachausschüssen
und eine gut eingespielte Infrastruktur hat sie gezeigt,
dass sie beste Voraussetzungen mitbringt, zwischen den
verschiedenen Lagern in Wissenschaft und Praxis zu vermitteln.
Dr.-Ing. Frank O. R. Fischer
Geschäftsführer
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