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Bachelorarbeit an der Universität in Birmingham, UK

In diesem Sommersemester schrieb ich meine Bachelorarbeit an der Universität in Birmingham, UK, und habe dabei nicht nur an einem interessanten Forschungsprojekt gearbeitet, sondern auch viele neue Freunde und Erfahrungen gewonnen.

Birmingham, auch Brum genannt, ist mit über 1.1 Mio. Einwohnern nach London die zweitgrößte Stadt Englands und ehemaliges Zentrum der Metallindustrie. Oft wurde ich vorgewarnt, dass Birmingham eine triste, graue Industriestadt sei, doch der Stadtkern hat durchaus auch sehr schöne Seiten. In den letzten Jahren wurden viele neue moderne Gebäude gebaut, wie zum Beispiel die Stadtbibliothek mit zwei Dachterrassen von denen aus man über die gesamte Stadt blicken kann. Im 18. Und 19. Jahrhundert entstanden rund 114 Meilen an Kanälen zum Transport von Wirtschaftsgütern in und um Birmingham, weshalb es auch als Venedig Englands bezeichnet wird. Heute kann man bei einem Spaziergang entlang der noch verbliebenen Kanäle das besondere Flair dieser Seite Birminghams erleben. Eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt ist das berühmte Shopping Zentrum „Bull Ring“  (in Windows 7 als Desktophintergrund verfügbar). Hier wird einem besonders bewusst, dass Birmingham eine interkulturelle Großstadt ist, täglich tummeln sich dort Menschen unterschiedlichster Herkunft. Begeistert hat mich vor allem auch der Obst- und Gemüsemarkt direkt am Fuße des Bull Rings. Hier konnte man die frischen Waren um einiges billiger kaufen als in den Supermärkten Aldi oder Coop.
Allerdings hat sich mein Leben weitestgehend außerhalb des Stadtkerns abgespielt, da die Uni und mein WG-Zimmer vom Zentrum  entfernt lagen.

Ein WG-Zimmer hatte ich glücklicherweise schon eine Woche vor meiner Ankunft über das Internet gefunden (leider sind  die Mieten in England sehr hoch). Mit vier weiteren sehr netten Mitbewohnern aus England, Nigeria, der Türkei und der Schweiz, wohnte ich in einem Haus mit kleinem Garten (in dem auch ab und zu gegrillt wurde).
In 15min war ich mit dem Fahrrad an der Uni oder in 10 min bei den Supermärkten  Aldi und Coop. Ganz in der Nähe gab es auch zwei Parks und direkt um die Ecke die beste Fish and Chips Bar Birminghams. Durch die Nähe zur Uni, wohnten auch einige meiner Kollegen in dieser Gegend. Mit meinem Zimmer hatte ich also schon mal Glück.

An meinem ersten Tag an der Uni war ich dann doch sehr aufgeregt, da ich bisher außerhalb der Praktika im Rahmen des Studiums noch keine Erfahrungen im experimentellen Arbeiten hatte. Werde ich Alle verstehen? Komme ich mit meiner Betreuerin gut klar?
Doch auch diese Sorgen sollten sich bald in Luft auflösen. Meine Arbeitsgruppe war super nett und ich wurde direkt herzlich aufgenommen. Was mich besonders erstaunt hat, dass kaum einer meiner Kollegen gebürtiger Engländer war und die Nationalitäten von japanisch, chinesisch über indisch bis  ägyptisch oder italienisch reichten. Dadurch wurde auch die Sprachbarriere gesenkt und ich konnte zusätzlich noch einiges über andere Kulturen lernen. Auch sonst war die Atmosphäre sehr entspannt und des Öfteren haben wir gemeinsam gegrillt oder gekocht.

Nach den ersten zwei Wochen war ich dann auch in die meisten Geräte eingewiesen und konnte mit meiner Arbeit beginnen. Mein Thema: Das Selektive Laser Schmelzen (SLM) von Aluminiumlegierungen mit verschiedenen Silizium-Zusätzen. Da dies mein eigenes Projekt war, konnte ich viel selbständig arbeiten. Wenn man dann doch mal Probleme mit einem Gerät hatte, fand sich meistens ein netter Techniker oder Kollege der einem weiterhelfen konnte.  Highlight jeder Woche war das freitägliche „Coffee Meeting“ der Arbeitsgruppe, mit Keksen und Kaffee oder Tee, bei welchem jeder erzählte, was er diese Woche gemacht hat. So konnte man schnell einen Überblick bekommen, wer sich mit welchen Themen beschäftigt und oftmals auch über Probleme berichten und um Rat fragen.

Neben der Arbeit im Labor, wollte ich natürlich auch ein bisschen mehr vom Rest Englands sehen und so war ich sehr begeistert, als ich hörte, dass die „English for International Students Unit“ (EISU)  der Uni Tagestouren zu verschiedenen Städten rund um Birmingham organisiert. Gemeinsam mit den Praktikanten aus Toulouse besuchte ich York, Cambridge, Bath und das romantische Stratford-upon-Avon. Ein Wochenende konnte ich sogar in Oxford verbringen,  da André Nemeth, den ich noch von Treffen der Fachschaft und jDGM in Karlsruhe kannte, zurzeit dort promoviert. Besuch in Birmingham erhielt ich auch, und zwar von Familie Fischer.

Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte neue Erfahrungen, Erlebnisse sowie Eindrücke zu sammeln und viele neue Freunde kennen lernen durfte. Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass das britische Wetter nicht so schlimm ist wie immer behauptet, tatsächlich holte ich mir während meines Englandaufenthaltes dreimal einen Sonnenbrand.