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Berichte Fachausschuss Stranggießen und Arbeitskreise
„Ofenabhängige Kokille“ sowie „Ofenunabhängige Kokille – Kupfer“

Die jährliche Sitzung des Fachausschusses Stranggießen fand am 12./13. Nov. 2014 in Olpe statt.

Die Firma Gebrüder Kemper Metallwerke GmbH & Co. KG hatte über Herrn Dr. Pavel aus der Geschäftsführung anlässlich Ihres 150jährigen Bestehens sowohl den Fachausschuss als auch die Arbeitskreise „Ofenabhängige Kokille“ und „Kupfer“ ins Sauerland eingeladen.

Die Herbstsitzungen der beiden Arbeitskreise eröffneten am Donnerstag, den 13. Nov., die Tagungsreihe; Prof. Böhmer und Dr. Rode hatten erneut zur gemeinsamen Veranstaltung eingeladen.

Die Arbeiten zur Gießereifibel sollen insbesondere neuen Mitarbeitern in den Gießbetrieben grundlegende Informationen zur Verfügung stellen; insgesamt soll mit der Loseblattsammlung ein fundierter Überblick der verschiedensten Gießereiaspekte ermöglicht werden. Dr. Krause ergänzte das Kapitel Abdeckmittel / Ruße, weitere Themen wie Legierungs-Übersicht und Kühltechniken etc. wurden vereinbart. Dr. Vogel referierte – ergänzend zur Gießereifibel – zu Schmelzezusätzen und ihrer Wirkung; die Diskussion betraf auch die spezifische Gefährdung durch Fluoride und Borsalze sowie zu erwartende gesetzliche Einflüsse. Beim Schwerpunktthema Arbeitssicherheit konnten diverse Aspekte zu Pro und Contra bei Anreizprogrammen diskutiert werden. Dr. Khoury erörterte die erweiterte Auswertung der Arbeitssicherheitsdaten, ergänzt durch Erläuterungen der Gießanlagenbetreiber zu Maßnahmen in den Gießereibetrieben. Für den Gussfehlerkatalog wurde die Einteilung der Kategorien abschließend bearbeitet. Dr. Siegele stellte hierzu einige, auch ältere Gießfehlerkataloge aus anderen Bereichen vor; Ergänzungen sollen folgen.

Die Doppelsitzung der AKs „Ofenabhängige Kokille“ und „Kupfer“ ging dann mit der Betriebsbesichtigung fließend in die Fachausschusssitzung über. Der Betriebsleiter Werk 2, Herr Bieker, stellte zunächst die Entwicklung der Kemper Metallwerke seit 1864 vor. Nach einem großen Umzug 1974 wurden die Anlagen am heutigen Standort in Betrieb genommen. In der 5. Generation des Familienunternehmens sind heute in Olpe 750 und weltweit 815 Mitarbeiter beschäftigt, sie erarbeiteten 2013 einen Umsatz von 258 Mio. €. Die Geschäftsbereiche umfassen Gusstechnik mit ca. 4000 t/a, Gebäudetechnik mit technischen Armaturen sowie Walzprodukte (21.000 t/a); aktuelle Erweiterungen erfolgen in der Kupferlegierungsbandproduktion und mit einem neuen Armaturenwerk incl. Logistikzentrum. Die Herren Bieker, Tietz, Sondermann sowie Groß führten sehr kompetent und informativ durch Gießerei und Bandfertigung. Zwei 5 t- sowie ein 10 t-Schmelzofen versorgen die vier Doppelstrangbandgießanlagen; die erste Stranggießanlage wurde bereits 1963 in Betrieb genommen, sämtliche Gießanlagen wurden von Firma Kemper selbst entwickelt und gebaut. Die gesamte Fertigungsfolge konnte mit Haubenglühöfen für Gussbandcoils, Fräse, Beiz- und Durchlaufglühöfen besichtigt werden. Die vier Quarto-Zwischen- und Fertigwalzanlagen verarbeiten Bänder in Dicken von 0,1 bis 3 mm; das 350 mm breite Band wird in den Schneid- und Spulanlagen bis auf minimal 3 mm Breite verarbeitet. Die Verzinnungsanlage konnte nur aus der Ferne gesehen werden. Die Vakuumverdampfung reduziert das Prozesswasser auf 4 m³ Restmenge/Woche für den Abtransport: Das Fertigmateriallager in den letzten Stadien der Besichtigung umfasst etwa drei Tagesproduktionsmengen.

Fa. Kemper lud die Teilnehmer der Arbeitskreise und des Fachausschusses freundlicherweise zum Abendessen in Kochs Hotel ein – in entspannter Atmosphäre wurde die Gelegenheit zu fachlichem Austausch intensiv genutzt.

Am 13. Nov. eröffnete Dr. Müller die Jahressitzung mit einem herzlichen Dank an die Fa. Kemper für die hervorragende Aufnahme im neuen Technikum und die großzügige Gestaltung der Arbeitskreis- und Fachausschusssitzungen.

Zunächst berichteten Prof. Böhmer, Dr. Rode, Dr. Bramhoff und Hr. Sinha über die Aktivitäten der Arbeitskreise. Die Fachvorträge eröffnete Dr. Schemmel mit einem Beitrag „Feuerfeste Zustellung der Aluminiumschmelzöfen bei der TRIMETAluminium SE (Essen) – Optimierung von Standzeiten, Betriebssicherheit und Zustelldauer“ und zeigte den Stand der Technik sowie den Einfluss der Betriebsparameter. Prof. Baake referierte zur „Entwicklung und Optimierung induktiver Schmelzanlagen durch numerische Modellierung und Prozesssimulation“; mit Simulationsabläufen konnten Strömungen sehr gut nachvollziehbar visualisiert werden. Die bei Prof. Specht fortgeführten Arbeiten betreffen die „Messung des Wärmeübergangs von Wasserstrahlen aus Kokillen“. Es folgten die Beiträge von Dr. Uhlenwinkel mit „Sprühkompaktieren von Mehrlagenwerkstoffen für die Anwendung in der Warmumformung am Beispiel von Abscherwerkzeugen“ und Hr. Pintore: „Aktuelle und zukünftige Entwicklungen beim kontinuierlichen Verbundgießen“.

Die AK-Berichte und die Fachvorträge können auf dem DGM-Server eingesehen werden. Im TOP Aktuelles wurde aus den Hochschulinstituten über laufende Arbeiten aus den Universitäten Bremen, Hannover, München und Magdeburg informiert; diese Vorstellungen bezogen sich z.T. auch auf die vorigen Präsentationen. Prof. Specht verwies dabei auf die Neuerscheinung „Wärme- und Stoffübertragung in der Thermoprozesstechnik“ im Vulkan Verlag.

Dr. Müller berichtete abschließend über Neues bei der DGM sowie insbesondere über den Stand der Planungen und die Arbeiten im Programmausschuss für die Werkstoffwoche in Dresden/14. bis 17.09.2015.

Nach abschließender Stärkung im Technikum und herzlichem Dank an die Fa. Kemper konnten die Teilnehmer auf zwei hochinteressante Tage mit sehr informativem fachlichem Austausch zurückblicken.

 

D. Rode stellv. Leiter FA Stranggießen, Leiter AK „Stranggießen Kupfer“