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Der DGM-Tag 2013: Ein neues Zeitalter bricht an

Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V. veranstaltete vom 22. bis 23. Mai in Bochum den DGM-Tag, der sich erstmals mit dem DGM-Nachwuchsforum (21.-22. Mai in Bochum) überschnitt. Am ersten Tag kamen junge MatWerker mit etablierten Materialwissenschaftlern und Werkstofftechnikern zusammen und traten mit den DGM-Fachausschussleitern in den Dialog. Highlights am zweiten Tag waren die Wahl des ersten Studentenvertreters in den Vorstand sowie ein Vortrag von Prof. Gustav Andreas Tammann zum Schaffen und Wirken seines Großvaters Prof. Gustav Tammann, dem Begründer der modernen Metallkunde. 

Wie kann die DGM ihren Auftrag für ihre Mitglieder und für das Fachgebiet Materialwissenschaft und Werkstofftechnik noch besser erfüllen? Um diese Frage drehten sich die Klausuren der DGM-Gremien Vorstand, Beraterkreis, Ausbildungsausschuss und Fachausschussleiter. Dieses Jahr richteten die DGM und die Ruhr-Universität Bochum (RUB) den DGM-Tag gemeinsam aus.

Mehr bewegen: Neue Großtagung für Fachausschüsse und Arbeitskreise
23 Fachausschuss- und Arbeitskreisleiter setzten sich am 22. Mai mit den Teilnehmern des Nachwuchsforums zusammen und diskutierten, wie der Nachwuchs besser in die Arbeit der Fachausschüsse (FA) und Arbeitskreise (AK) integriert werden kann. Am Nachmittag versammelten sich dann die FA- und AK-Leiter zur Fachausschussleiterklausur. Prof. Michael Hoffmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Prof. Jürgen Hirsch von der Firma Hydro Aluminium Rolled Products in Bonn eröffneten die Sitzung als Sprecher des Fachausschussgremiums. Dr.-Ing. Frank O.R. Fischer, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGM, präsentierte den Teilnehmern das Konzept einer neuen nationalen Tagung mit dem Arbeitstitel „Werkstoffwoche 2015“, welches angeregt diskutiert wurde. Die Tagung soll alle zwei Jahre im Wechsel mit der „MSE – Materials Science and Engineering“ stattfinden und die vielen einzelnen Tagungen der Fachausschüsse zusammenführen. Bei einem nächsten Treffen am 11. Juli soll die „Werkstoffwoche“ ausführlich besprochen werden. Mit der Einbeziehung der Fachausschüsse in das neue Tagungskonzept möchte die DGM der Industrie ein größeres Forum schaffen und erhofft sich eine erhöhte Wahrnehmung des Fachgebiets in der Öffentlichkeit. Außerdem wurden die neuen Fachausschüsse präsentiert: Prof. Alfred Ludwig stellte kurz den neuen FA „Funktionsmaterialien“ vor, der aus dem FA „Dünne Schichten“ und dem FA „Materialien für elektronische Anwendungen“ hervorgegangen ist, Prof. Peter Schaaf den neuen FA „Werkstoffe der Energietechnik“. Des Weiteren wurde ein neuer Passus zu den FA-/AK-Leitern in der Geschäftsordnung aufgenommen. Demnach sollen künftig der Sprecher und sein Stellvertreter gleichgestellt sein und beide an den Vorstandssitzungen teilnehmen dürfen. 

Den Nachwuchs besser vernetzen
Welche Anregungen aus dem zweiten Nachwuchsforum will die DGM als erstes umsetzen? Und was soll beim nächsten Nachwuchsforum anders werden? Diese und viele andere Fragen wurden vom Ausbildungsausschuss auf der Sitzung am 22. Mai besprochen. Christopher Schmitt, Studentenvertreter des Schweizerischen Verbands für Materialwissenschaft und Technologie (SVMT), stellte das Konzept zum „Students Day“ vor, der im vergangenen Jahr in Zürich stattfand. Der Ausbildungsausschuss besprach, wie die DGM die Schweizer bei der Organisation des nächsten Students Day in Stuttgart unterstützen kann. Michael Becker, Student an der Universität des Saarlandes wurde zum stellvertretenden Sprecher des Ausbildungsausschusses gewählt. Das nächste Nachwuchsforum mit Nachwuchskarriereworkshop ist schon in Planung und soll wieder parallel zur Breitbandtagung „MSE 2014 – Materials Science and Engineering“ stattfinden und Expertengespräche einbinden. Der Ausbildungsausschuss kümmert sich um die Einbindung und Vernetzung des DGM-Nachwuchses. 

Mehr Berater gewünscht
In Vertretung von Prof. Eckhardt Quandt von der Universität Kiel leitete Prof. Ralf Riedel von der TU Darmstadt die Klausur des DGM-Beraterkreises. Die Berater äußerten den Wunsch, künftig den Beraterkreis auf 21 Teilnehmer zu erweitern und die Tätigkeitsdauer zeitlich zu beschränken. So sollen eine regelmäßige Rotation im Beraterkreis und damit neue Impulse gewährleistet werden. Dr.-Ing. Tanja Eckardt, Leiterin Innova­tionsmanagement der Heraeus Holding GmbH, wurde als stellvertretende Sprecherin des Beraterkreises bestimmt. Der Weiterentwicklung der MSE soll sich künftig eine gesonderte Gruppe aus dem Beraterkreis widmen. Aufgabe des Beraterkreises ist es, den Vorstand in grundsätzlichen Fragen zu beraten, aber auch bei der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen zu unterstützen. 

Vorstand entwickelt Strategie
Bereits im Mai hatte sich der Vorstand zu einem Strategie-Workshop getroffen. Hier wurde ausführlich diskutiert, was die DGM in Zukunft für ihr Fachgebiet erreichen möchte und wie der Verein die Weiterentwicklung des Fachgebiets noch besser vorantreiben kann. Im Rahmen der Klausur wurde die Diskussion fortgesetzt und stimuliert. Außerdem besprachen die Vorstandsmitglieder die neue Zusammensetzung des Preiskuratoriums I, das sich fortan unabhängig vom DGM-Tag treffen möchte, sowie die internationale Tagung „MSE – Materials Science and Engineering“. So soll die MSE ab 2014 eine Session für den Nachwuchs anbieten, in der ausgewählte Masterarbeiten präsentiert werden. Themen waren außerdem die neue Mitgliederzeitschrift und die Werkstoffwoche 2015. 

Mitglieder wählten ersten Studenten in den Vorstand
„Ein neues Zeitalter bricht an“, so nannte Prof. Dr. Helmut Maier von der Ruhr-Universität seinen Vortrag und zog den Bogen zwischen Jules Vernes phantastischen Fluggeräten und der Entwicklung des Aluminiums seit der Erfindung der Schmelzflusselektrolyse 1888. Ein neues Zeitalter brach auf dem diesjährigen DGM-Tag auch für die DGM an: Erstmals wurde in der Mitgliederversammlung ein Student in den Vorstand gewählt. Fortan wird Michael Becker von der Universität des Saarlandes dem Nachwuchs in der DGM eine Stimme geben. Außerdem wählten die DGM-Mitglieder Prof. Klaus D. Jandt von der Universität Jena (FA-Leiter „Biomaterialien“) und Dr.-Ing. Hilmar Müller von den Wieland-Werken Ulm (FA-Leiter „Stranggießen“), zum Sprecher der Fachausschüsse aus Wissenschaft und Industrie. Sie werden zum 1. Januar 2014 Prof. Michael Hoffmann (Leiter DGM / DKG-Gemeinschaftsausschuss „Koordinierung Hochleistungskeramik“) und Prof. Jürgen Hirsch (FA-Leiter „Aluminium“) ablösen. Prof. Gunther Eggeler von der Ruhr-Universität Bochum stellte den Antrag für ein Regionalforum Rhein-Ruhr, der von der Mitgliederversammlung angenommen wurde. Außerdem befürwortete die Mitgliederversammlung den DGM-Preis „Pionier“, der die Leistung besonders engagierter DGM-Mitglieder in den Fachausschüssen honorieren soll. Als Buchprüfer wurden Uwe Weiß von der Heraeus Holding GmbH sowie Dr. Hartwin Weber als Vertreter der DGM-Mitglieder im Amt bestätigt. Dr.-Ing. Frank O.R. Fischer, Geschäftsführendes DGM-Vorstandsmitglied, ließ schließlich die Vereinsaktivitäten 2012/2013 Revue passieren, blickte zurück auf die DGM-Geschichte und gab einen Ausblick auf zukünftige Aktivitäten. Über ihre jeweiligen Sitzungsergebnisse berichteten im Anschluss die Leiter der Fachausschüsse und des Ausbildungsausschusses sowie Prof. Ralf Riedel in Vertretung von Prof. Eckhard Quandt über die Beschlüsse aus dem Beraterkreis. Während des DGM-Forums hatten die Gastgeber des diesjährigen DGM-Tags Gelegenheit sich und ihre Aktivitäten vorzustellen.

Tammann, Heyn, Masing, Sachs: Verdiente MatWerker
DGM-Vorstandsvorsitzender Prof. Hans-Jürgen Christ von der Universität Siegen und Prof. Alexander Hartmaier von der RUB moderierten die DGM-Preisverleihung 2013. Eröffnet wurde dieses Jahr die Preisverleihung mit einem Vortrag des Astronomen Prof. Gustav Andreas Tammann, dem Enkel des ersten DGM-Ehrenmitglieds und Begründers der modernen Metallkunde Prof. Gustav Tammann (1861-1938). Tammann erzählte aus seinen Erinnerungen und zeichnete anschaulich das Leben und Werk seines Großvaters nach. 

Die Tammann-Gedenkmünze erhielt dieses Jahr Prof. Ulrich Martin von der Bergakademie Freiberg. Damit erkennt die DGM seine Leistungen auf dem Feld der Physikalischen Metallkunde von metallischen Konstruktionswerkstoffen an. Prof. Andrés F. Lasagni vom Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden wurde mit dem Masing-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Der weitgereiste Argentinier zählt zu den produktivsten und kreativsten Materialforschern seiner Generation in Deutschland. Sein Schwerpunktthema ist der Bereich der Interferenzstrukturierung sowie der Multiphotonenprozesse durch Ultrakurzpuls-Laser. Lasagni war bereits Gewinner des Werner-Köster-Preises im Jahr 2006. Mit der höchsten DGM-Auszeichnung, der Heyn-Denkmünze, wurde dieses Jahr Prof. Dietmar Eifler von der Technischen Universität Kaiserslautern geehrt. Die DGM würdigt damit seine herausragenden Leistungen als Forscher in der Werkstofftechnik, insbesondere im Bereich Gefüge und Wechselverformungsverhalten metallischer Werkstoffe sowie innovativer Pressschweißverfahren. Ausgezeichnet wurde auch Prof. Peter Gumbsch vom KIT und Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg und Halle. Als exzellente Forscherpersönlichkeit, die höchst erfolgreich zwischen den Welten der Modellierung und Simulation sowie der angewandten Werkstoffmechanik wandelt, erhielt Gumbsch den DGM-Preis. Der Georg-Sachs-Preis des Stifterverbandes Metalle und des Fachverbandes der Metallindustrie Österreichs ging an Dr.-Ing. Thomas Niendorf von der Universität Paderborn für seine umfassenden Arbeiten zur Charakterisierung der Prozess-Mikrostruktur-Eigenschafts-Zusammenhänge in hochfesten Strukturwerkstoffen, additiv gefertigten Strukturen, funktional gradierten Strukturen sowie in Formgedächtnislegierungen auf metallischer Basis. Den Werner-Köster-Preis für den besten Aufsatz in der Zeitschrift für Metallkunde erhielten 2013 Dr.-Ing. Sebastian Münstermann (Vortragender), Junhe Lian und Prof. Wolfgang Bleck von der RWTH Aachen für ihren Beitrag „Design of damage tolerance in high strength steels“. Der Preis wird von der DGM zusammen mit dem Carl Hanser Verlag verliehen. 

Außerdem wurden wieder vier Nachwuchspreise vergeben. Die Preisträger sind Robert Dittmer (TU Darmstadt), Dipl.-Ing. Dr. mont. Stefan Pogatscher (ETH Zürich), Dipl.-Ing. Karsten Woll (Johns Hopkins University, Baltimore) und Dr. rer. nat. Mareike Warkentin (Universität Rostock). Sie alle arbeiten an Themen aus der Forschung auf dem Gebiet der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik und haben darin überdurchschnittliche Leistungen erbracht. 

In bester Gesellschaft: die Ehrenmitglieder
Der Gesellschaftsabend fand im historischen Ambiente des ehemaligen Hüttenwerks „Henrichshütte Hattingen“ statt. Dr. Olaf Schmidt-Rutsch vom LWL-Industriemuseum Henrichshütte stellte der Gesellschaft zunächst das Museum vor. Dort wo ehemals aus Erz, Koks und Kalk Eisen erzeugt, Stahl gekocht und vergossen, geschmiedet und gewalzt wurde, fanden sich engagierte MatWerker und DGM-Mitglieder zum festlichen Abendessen zusammen. Gemeinsam ließen sie den DGM-Tag stilvoll ausklingen und feierten die neuen Ehrenmitglieder Prof. Christina Berger (TU Darmstadt) und Prof. Wolfgang Kaysser (Helmholtz-Zentrum Geesthacht). Mit der Ehrenmitgliedschaft würdigt die DGM Christina Bergers Verdienste um das Fachgebiet, insbesondere ihre wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Werkstofftechnologie und –prüfung. Prof. Kaysser dankt die DGM mit dieser Auszeichnung für sein hohes persönliches Engagement, den unbeirrbaren Gestaltungswillen und seine sachliche Überzeugungskraft während seiner Amtszeit als Vorsitzender der DGM. Die Laudationes hielten Prof. Matthias Oechsner von der TU Darmstadt und Prof. Günter Gottstein von der RWTH-Aachen.

Auf ein Neues: DGM-Tag 2014
Dr.-Ing. Frank O.R. Fischer freute sich über die rege Beteiligung am diesjährigen DGM-Tag. „Wir danken allen Teilnehmern für das große Engagement“, sagte Fischer im Anschluss. „Es gilt nun, die vielen neuen Impulse zu gewichten und sukzessiv umzusetzen. Nur so können wir die DGM und das MatWerk weiter nach vorne bringen.“ Der nächste DGM-Tag findet am 22. September 2014 im Vorfeld der MSE in Darmstadt statt.a