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DGM-Arbeitskreis Sprühkompaktieren / Spray Forming traf sich in Oxford

Die Mitglieder des Arbeitskreises „Sprühkompaktieren/Spray Forming“ der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM) in Großbritannien kamen am 16. Mai 2014 im Begbrokes Science Park der Universität von Oxford zusammen. Hier diskutierten sie die neuesten Entwicklungen zu Sprühkompaktierverfahren. Bereits am späten Nachmittag des Vortages trafen sich die Teilnehmer zu einem gemütlichen Beisammensein bei strahlendem Sonnenschein in Woodstock, einer Kleinstadt in der Grafschaft Oxfordshire, dem Geburtsort von Winston Churchill. Der Arbeitskreis (AK) gehört zum DGM-Fachausschuss „Stranggießen“ und wird von Dipl.-Ing. Bernhard Commandeur geleitet.

Am Vormittag des 16. Mai wurden sieben Fachvorträge präsentiert. Die universitären Beiträge des diesjährigen Treffens bildeten den Schwerpunkt der Arbeitskreissitzung. Die Kollegen aus den Universitäten von Oxford und Hull stellten detailliert ihre aktuellen Forschungsvorhaben vor. Es wurde deutlich hervorgehoben, dass über 80 Prozent der heutigen Forschungsvorhaben von der Industrie finanziert werden. Bei allen präsentierten Vorhaben waren stets chinesische Unternehmen oder chinesisch universitäre Einrichtungen beteiligt. Aufgrund der hochspezialisierten Methoden der Werkstoffcharakterisierung und des langjährigen Knowhows der Universität von Oxford werden dort bevorzugt die Materialuntersuchungen durchgeführt. Neben diesen Untersuchungen werden in dem Begbrokes Science Park ebenfalls neue Verfahren zur Herstellung von Hochleitungswerkstoffen erprobt, bzw. bestehende Herstellverfahren zu neuartigen Prozesstechniken miteinander verknüpft. Von der Universität aus Bremen erfuhren wir den Stand der fünf aktuellen Projekte. Der Schwerpunkt liegt hier in der Verfahrenstechnik. Neuartig entwickelte Zerstäubungssysteme werden für einen möglichen späteren industriellen Einsatz erprobt. Vorgestellt wurden auch erweiterte Verfahren zur Herstellung metallischer Pulver in definierter Form.

Da bekannter Weise der Kreis der Mitglieder dieser Arbeitsgruppe sich auf durchschnittlich 10 Personen beschränkt, hält man stets auch ein Augenmerk auf die außereuropäischen Aktivitäten des Sprühkompaktierens. So konnten wir für diese Sitzung einen Gastprofessor der brasilianischen Universität von Sao Carlos in unserem Arbeitskreis begrüßen. Es wurde ein Überblick der dortigen Projektaktivitäten, wie auch die vorhandene Sprühkompaktieranlage vorgestellt. Im industriellen Bereich finden verschleiß- und korrosionsbeständige Stähle für die Offshore-Industrie großes Interesse. Bereits seit mehreren Jahren kooperieren die Universitäten von Sao Carlos und Bremen in verschiedenen Projekten zusammen. Auch wurde auf diese Projektzusammenarbeit zur Herstellung von mehrlagig sprühkompaktierten Rohren eingegangen.

Die an dieser Sitzung anwesenden Mitglieder aus der Industrie berichteten über die schwierige wirtschaftliche Lage im Absatz sprühkompaktierter Werkstoffe. Unabhängig des Basiswerkstoffes Kupfer, Stahl oder Aluminium ist eine ähnliche Tendenz erkennbar. Auch nach 20-jähriger industrieller Herstellung dieser sprühkompaktierten Werkstoffe mit den bekannten Vorteilen, werden konventionelle Herstellrouten stets unter wirtschaftlichen Aspekten, favorisiert. Sprühkompaktierte Materialien werden nach wie vor dort eingesetzt, wo durch das Sprühkompaktierverfahren Werkstoffeigenschaften dargestellt werden können, welche auf andere Weise nicht erreicht werden. Die Ausweitung der Nischen, durch intensiviertes Verbreiten der Technologie und der Eigenschaften der erzeugten Materialien, ist erklärtes Ziel der industriellen Erzeuger und der universitären Einrichtungen.

In diesem Zusammenhang kommt dem Arbeitskreis eine wichtige Rolle zu, da hier die Vernetzung der universitären Einrichtungen mit den Partnern der Industrie ein wichtiger Bestandteil ist. Nur die Weiterentwicklung und Optimierung der bestehenden Verfahren und Eigenschaften zur Herstellung sprühkompaktierter Werkstoffe garantiert den Bestand dieser Hochtechnologie.

Gero Sinha, stellv. Leiter des Arbeitskreises

Velbert, Mai 2014