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Drittes Freiberger Feuerfestforum stärkt Dialog zwischen Wissenschaft und Industrie

Zum dritten Mal in Folge bot das Freiberger Feuerfestforum einen intensiven Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie über Forschungsbedarf und -ergebnisse zu innovativen feuerfesten Werkstoffen. Zahlreiche Teilnehmer an der gemeinsamen Veranstaltung des Schwerpunktprogramms 1418 „FIRE“, der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde und des VDEh signalisierten das gewachsene Interesse an der Feuerfestforschung und an einer stärkeren Verknüpfung zwischen Wissenschaft, Industrie und Fachverbänden. Gemeinsames Ziel ist u.a ein beschleunigter Erkenntnistransfer aus der Forschung in die Praxis. 

Mehr als 100 Teilnehmer aus Industrieunternehmen, industrienahen Organisationen sowie aus Hochschulen und Universitäten aus Deutschland, Holland, Frankreich und Österreich trafen sich anlässlich des 3. Freiberger Feuerfestforums Anfang Dezember 2012 an der TU Bergakademie Freiberg zu einem aktiven Austausch zu Forschung und Entwicklung im Bereich Feuerfest. Im Mittelpunkt einer hochkarätigen Vortragsreihe stand die Vielfalt industrieller Anwendungen für feuerfeste Werkstoffe und daraus folgende Anforderungen an Werkstoffeigenschaften und -verhalten. Die Teilnehmer diskutierten zudem die Nachfrageentwicklung nach feuerfesten Werkstoffen und Bauteilen, Anforderungen an die Leistungsfähigkeit von Feuerfestmaterialien angesichts veränderter Prozessführungen und Fragen der Qualitätssicherung feuerfester Werkstoffe.

Die Diskussion reflektierte einen hohen und vielseitigen Forschungsbedarf für neuartige, leistungsfähigere und dabei umweltschonendere feuerfeste Werkstoffe. Deren Eigenschaften beeinflussen in hohem Maße die Qualität u.a. metallurgischer Erzeugnisse, die Funktionsweise, Sicherheit und Lebensdauer von Produktionsanlagen, ihren Energieverbrauch sowie den Ausstoß von Schadstoffen. Dies erfordert umfangreiche Forschungs-und Entwicklungsarbeit auf mehreren Ebenen: hinsichtlich relevanter Werkstoffeigenschaften, wie Thermoschock- und Korrosionsbeständigkeit oder Wärmedämmung, Wege zur Funktionalisierung von Werkstoffen und zur Erzeugung flexibler und komplexer Bauteilgeometrien, neue Ansätze zur Analyse und Prüfung des Werkstoffverhaltens unter extremen Bedingungen sowie Möglichkeiten einer Modellierung und Simulation des Werkstoffverhaltens, um beispielsweise Komponenten für Hochtemperaturanlagen zielgerichtet nach thermischen, chemischen bzw. mechanischen Beanspruchungen auslegen zu können. 

Damit Forschungsergebnisse wirtschaftlich verwertet werden können, brauche es aber darüber hinaus intensiven Dialog zu neuen Forschungsergebnissen und zur Aufnahme weiteren Forschungsbedarfs und damit einen engen Kontakt zwischen Forschungseinrichtungen, Industriepartnern und Fachverbänden. Dies schließt auch eine stärkere Einbindung internationaler Partner ein. Das zehnjährige Jubiläum des wissenschaftlichen Dialogs mit der Universität Wuhan im Jahr 2013 wird daher ein hervorragender Anlass sein, führende Wissenschaftler aus China zu einem fachlichen Austausch nach Deutschland einzuladen. Gerade in der Region mit dem höchsten „Stahlhunger“ ist seit mehreren Jahren eine beeindruckende Entwicklung von Forschungseinrichtungen und wissenschaftlichen Ergebnissen im Bereich Feuerfest zu beobachten.

Einen solchen Dialog zu unterstützen und auszubauen, darin bestehe ein wichtiges Ziel des Freiberger Feuerfestforums als Plattform des Austauschs zwischen allen Beteiligten. Und es erfüllt noch eine weitere wichtige Funktion: Es dient zudem der Schulung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte des Schwerpunktprogramms sowie des Sonderforschungsbereichs 920 „Multifunktionale Filter für die Metallschmelzefiltration – ein Beitrag zu Zero Defect Materials“. „Formate wie das Freiberger Feuerfestforum sind hervorragend für die Weiterbildung unserer Doktorandinnen und Doktoranden geeignet,“ so der Koordinator des Schwerpunktprogramms, Prof. Dr. Christos G. Aneziris (TU Bergakademie Freiberg). Insbesondere gehe es um eine stärkere Sensibilisierung für industrielle Anwendungsszenarien und den daraus entstehenden Bedarf an Grundlagenforschung im Bereich Feuerfest.

Zum DFG-Schwerpunktprogramm 1418: Seit 2009 arbeiten Wissenschaftler mehrerer deutscher Universitäten und Hochschulen an der Entwicklung neuartiger feuerfester Materialien. Das gemeinsame Forschungsziel besteht in einer Reduzierung des Kohlenstoffanteils dieser Feuerfestmaterialien, ohne deren wichtigste Eigenschaft – die Widerstandsfähigkeit gegen extreme Temperaturwechsel – aufzugeben. In den vergangenen drei Jahren ist es den beteiligten Wissenschaftlern gelungen, Werkstoffe zu generieren, die gegenüber herkömmlichen Feuerfestwerkstoffen etwa 33 % weniger Kohlenstoff enthalten und dennoch nach einem Thermoschock - trotz eines niedrigeren Kohlenstoffgehalts - eine höhere Restfestigkeit aufweisen als konventionelle Werkstoffe. Zudem liegen erste Ergebnisse zur Entwicklung neuartiger Bauteile aus keramischem Papier bzw. keramischen Folien, zu neuen Prüfverfahren sowie zur Modellierung und Simulation des Werkstoffverhaltens vor.

 

Ansprechpartner: 
Prof. Dr.-Ing. habil. Christos G. Aneziris (aneziris@ikgb.tu-freiberg.de)

 

Presseinformation SPP 1418, 3. Feuerfestforum (7.12.2012)
Autor: Anja Geigenmüller
Foto: TU Bergakademie Freiberg