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Fördern und Fordern! DGM-Nachwuchsförderung

Warum das so wichtig ist, und warum davon auch jedes MatWerk-Talent persönlich profitieren kann, erläutert das Geschäftsführende DGM-Vorstandsmitglied Dr.-Ing. Frank O. R. Fischer im Interview.

Der Nachwuchs spielt für die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V. (DGM) eine zentrale Rolle: Seit langem ist er ein wichtiger Bestandteil der Community: Die Jung-DGM-Ortgruppen etwa sind bereits in verschiedenen Gremien von Europas größter wissenschaftlich-technischer Fachgesellschaft auf diesem Gebiet etwa im Nachwuchsausschuss, im Vorstand oder im Beirat fest verankert. Zudem werden auf den jährlichen Nachwuchsforen junge Materialwissenschaftler und Werkstofftechniker (MatWerker) eingeladen, um sich untereinander und mit den Experten des Fachs zu vernetzen sowie ihre Interessen aktiv in die DGM einzubringen. So verleiht die DGM MatWerk-Talenten eine Stimme.

Herr Dr.-Ing. Fischer, die DGM kümmert sich intensiv um junge Materialwissenschaftler und Werkstofftechniker. Warum ist Ihnen der Nachwuchs so wichtig?

„Global betrachtet liegt die Zukunft unserer Gesellschaft als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort in den Händen und Köpfen unseres Nachwuchses. Die Relevanz der Nachwuchsarbeit betrifft nicht nur die DGM, sondern alle Sektoren in der Gesellschaft. Bezogen auf die DGM, haben wir nach einer langen strukturellen Verjüngungsoffensive beschlossen, die jungen Hände und Köpfe auch mit entsprechendem Werkzeug und Wissen auszustatten. Aus zahlreichen Gesprächen mit dem Nachwuchs in den vergangenen Jahren sind wir zu der Überzeugung gekommen, unsere Nachwuchsaktivitäten massiv auszuweiten. Daher stehen wir heute im Punkto Nachwuchsarbeit exzellent da und werden uns weiterhin für die Belange des Nachwuchses einsetzen.“

Welche konkreten Nachwuchsaktivitäten wurden bereits von der DGM umgesetzt?

„Unsere Nachwuchsaktivitäten sind sehr breit aufgestellt und berücksichtigen die Karriere des Nachwuchses auf verschiedenen Ebenen seiner Laufbahn. Um nur einige Beispiele zu nennen: Begonnen hat die Nachwuchsarbeit mit dem Studientag Materialwissenschaft und Werkstofftechnik (StMW), welcher seinen Ursprung im DGM-Ausbildungsausschuss (heute Nachwuchsausschuss) hat. Daran angeschlossen haben sich Fachschaften der verschiedenen MatWerk-Studienstandorte, deren Vernetzung und Verbreitung durch die DGM Unterstützung findet. Unser primäres Ziel ist, dass das Studienfach und seine Bedeutung in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen werden. Zudem richten wir im Rahmen unsere großen, im jährlichen Turnus wechselnden Kongresse „Materials Science and Engineering“ (MSE ) in Darmstadt und WerkstoffWoche in Dresden das Nachwuchsforum aus, um junge MatWerker untereinander und mit Etablierten des Fachgebietes zu vernetzen, ihnen ein Austauschforum zu ermöglichen und sie gleichzeitig weiterzubilden. Das Nachwuchsforum hat sich inzwischen zu einer Plattform entwickelt, die vom Nachwuchs selbst mit entsprechend attraktiven Modulen für Nachwuchs geplant und durchgeführt wird. Auch werden etablierte MatWerker zu Podiumsdiskussionen, Firmeninformationsgesprächen und weiteren interessanten Modulen zu aktuellen und für Nachwuchs relevanten Themen eingeladen. Auf diesen Kongressen werden die Wünsche des Nachwuchses, die an uns adressiert sind, zusammengefasst und an uns weitergeleitet. Eine Folge ist, dass wir unser Portfolio an Exkursionen zu MatWerk-Firmen wie Mercedes, MTU Aero Engines oder Otto Fuchs in den letzten Jahren deutlich gesteigert haben.

Diese Aktionen unterstützen wir nicht nur organisatorisch, sondern auch finanziell. Wir greifen den studentischen Teilnehmern und jungen DGM-Mitgliedern häufig bei den Reisekosten unter die Arme. Außerdem gewähren wir ihnen große Preisnachlässe auf DGM-Fortbildungen und -Tagungen.“

Wie unterstützt der Nachwuchskarriereworkshop, den Sie im Umfeld der internationalen MSE-Tagung veranstalten, junge MatWerker?

„Die Tagung und der Workshop stehen unter dem Motto „Young Researchers meet Professionals“. Gemeinsam mit der Bundesvereinigung Materialwissenschaft und Werkstofftechnik (BV MatWerk) laden wir zu diesem Workshop Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Industrie ein, die Antworten geben auf die Frage: „Was kommt nach Bachelor, Master oder Promotion?“. Die Teilnehmer erhalten hier nicht nur nützliche Tipps rund um eine Karriere in der Industrie, Wissenschaft oder im Ausland, sie haben zudem Gelegenheit die Referenten persönlich zu befragen und wichtige Kontakte für ihren künftigen Karriereweg zu knüpfen.“

Sie haben 2015 mit der WerkstoffWoche in Dresden einen Anwenderkongress mit Fachmesse aus der Taufe erhoben, der 2017 wegen des großen Zuspruchs zum zweiten Mal stattgefunden hat. Was ist das hier das Erfolgsrezept?

Als Kongress für innovative Werkstoffe, Verfahren und Anwendungen soll die WerkstoffWoche, die wir gemeinsam mit dem Stahlinstitut VDEh in der Messe Dresden Dresden veranstalten, genauso wie die begleitende Fachmesse Werkstoffhersteller mit Anwendern aus der Industrie und Wissenschaft zusammenbringen, die sich mit Werkstoff- und Bauteilfragen beschäftigen. Denn die Bedeutung der Werkstoffe für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist enorm wichtig und die öffentliche Wahrnehmung von Werkstoffe kann durch WerkstoffWoche verbessert werden.

Wie ihr Vorgänger war auch die WerkstoffWoche 2017 mit ihren täglich über 1.000 Besuchern eine tolle Plattform für Wissensvermittlung, Erfahrungsaustausch und Nachwuchsförderung im MatWerk-Bereich. Davon waren Veranstalter, Aussteller und Teilnehmer am Ende auch diesmal gleichermaßen wieder überzeugt. Zu Recht! Immerhin konnten sich die Teilnehmer hier wie sonst nirgendwo über bahnbrechende Neuerungen und visionäre Ideen der Werkstoffbranche informieren.

Was bietet die „Werkstoffwoche“ für den Nachwuchs?

„Junge MatWerk-Talente stehen immer und überall im Fokus der DGM. Ähnlich wie bei der internationalen DGM-Tagung MSE in Darmstadt, die sich im jährlichen Turnus mit der WerkstoffWoche abwechselt, gibt es auch hier ein spezielles Nachwuchsprogramm, das junge Materialwissenschaftler und Werkstofftechniker auf ihrem Karriereweg unterstützt. Dazu gehörte 2017 die Jung-DGM-Jahresversammlung, die zur Vernetzung der Jung-DGM-Ortsgruppen untereinander dient. Die Ortsgruppen präsentieren ihre Aktivitäten aus den jeweiligen Standorten und ihre Mitgestaltung in der DGM. Gemeinsam planen sie hier die zukünftigen Aktivitäten für das Nachwuchsforum. Des Weiteren ist die kompetenzorientierte Beratung zu nennen, die einen Austausch zwischen Industrie und Nachwuchs ermöglicht. Dazu haben auch Workshops zu verschiedenen Themenbereiche sowie ein World-Café zum Thema „Nachwuchsförderung 4.0“ beigetragen. Und selbstverständlich war der Nachwuchs auch ins Programm des DGM-Tags und der WerkstoffWoche eingebunden – und wird es auch in Zukunft sein."

Und wie kann sich der Nachwuchs für das Fachgebiet einsetzen?

„Unsere Jung-DGMs unternehmen viele Aktionen am jeweiligen Studienort.  Sie verteilen Erstsemestertüten, organisieren Grill- und Vortragsabende oder Exkursionen. Das alles hängt natürlich vom Engagement unserer jungen Mitglieder ab. Inzwischen zeichnet sich auch ein kontinuierliches Wachstum der Jung-DGM-Ortsgruppen aus. Mit zehn Jung-DGM-Ortsgruppen innerhalb von sieben Jahren ist die DGM in Punkto Nachwuchs auf einem sehr guten Weg.

Die Studierenden haben zunächst vor Ort über die Jung-DGM-Ortsgruppen und DGM-Regionalforen einen Ansprechpartner, die sehr erfolgreiche Veranstaltungen, Exkursionen, Stammtische und Vernetzungsangebote für Studienanfänger und -fortgeschrittene anbieten. Hier können sich alle Nachwuchs-MatWerker für ihr Fachgebiet einbringen und das Fachgebiet gemeinsam mit uns stärken. 

In die DGM-Gremien, wie z. B. in Nachwuchsausschuss, Fachausschüsse, Vorstand und Beirat sind bereits viele engagierte Nachwuchskräfte vertreten. Auch hier können kluge Köpfe und engagierte Nachwuchs-MatWerker die Interessen unseres Fachgebietes voranbringen. Und schließlich sind auch die Nachwuchsforen die optimalen Plattformen, sich zu engagieren.  

Wir sind offen für engagierte Nachwuchswissenschaftler und junge Praktiker, die sich bei uns für ihre Bedürfnisse stark machen wollen und bieten ihnen mit unseren Nachwuchsaktivitäten die passende Plattform. Unsere Maxime ist, noch viel mehr für den MatWerk-Nachwuchs zu ermöglichen!

Mein Aufruf geht daher an die Materialwissenschaftler und Werkstofftechniker, aber auch an die Physiker, Chemiker, Biologen, Mediziner, Maschinenbauer und Ingenieure mit Bezug zu MatWerk: Machen Sie mit und bringen Sie das regionale MatWerk zum Leben!“

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zukunft schaffen mit  Materialwissenschaft und  Werkstofftechnik

Das Studium der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik ist eine einzigartige Mischung aus den klassischen Schulfächern Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und Informatik. Es ermöglicht, das Beste aus diesen Bereichen zu nehmen und den Weg freizumachen für Innovationen. Angesichts dieser Voraussetzungen sind Materialwissenschaftler und Werkstofftechniker für neue Entwicklungen bestens ausgestattet und ihr interdisziplinäres Know-how ist schon immer geschätzt und begehrt in der freien Marktwirtschaft. MatWerker sind präsent etwa in der Automobil- und Luftfahrtindustrie, Kraftwerkstechnik, Elektroindustrie, chemischen Industrie, Mikroelektronik, Metallerzeugung, Optik, Kunststoffherstellung, Medizin- und Umwelttechnik oder im Maschinenbau.

In gleicher Weise ist die Forschungslandschaft, seien es universitäre oder außer-universitäre Forschungseinrichtungen, durch MatWerker geprägt. Auch als Sachverständiger und Gutachter bei technischen Prüforganisationen und Versicherungen sind sie gefragt.

Verglichen mit der deutschen ingenieur- und naturwissenschaftlichen Community ist die des MatWerks eher überschaubar. Denn aufgrund ihrer außerordentlichen Heterogenität ist die exakte Benennung der MatWerk-Gemeinschaft nicht möglich. Einerseits finden viele Physiker, Biologen, Chemiker oder Elektrotechniker erst nach dem Studium den Weg in die Materialwissenschaft und Werkstofftechnik. Andererseits betrachten sich MatWerker aus angrenzenden Disziplinen wie dem Maschinenbau oder der Medizin als „Exoten“. Dieses mangelnde Identitätsgefühl wird dem interdisziplinären und so bedeutenden Fachgebiet nicht gerecht. Machen doch gerade die enorme Vielfalt der Einsatzbereiche von Materialien und Werkstoffen und die damit zusammenhängende Überschneidung mit angrenzenden Disziplinen die Materialwissenschaft und Werkstofftechnik aus.

Das uneinheitliche Studienangebot und die fehlende Sichtbarkeit des Fachgebiets in den Schulfächern sind sicherlich Gründe dafür, dass die Disziplin relativ unbekannt ist und somit auch die Anzahl derer, die sich für dieses Studium entscheiden, gering ausfällt. Die Studentenzahlen vermitteln eine nahezu familiäre Atmosphäre. Von fast 2,5 Millionen Studierenden widmen sich noch nicht mal ein Prozent (16.483)** einem materialwissenschaftlichen bzw. werkstofftechnischen Fach. Eher durch Zufall werden Schüler und Studenten bisher auf dieses Fachgebiet aufmerksam. Die DGM wirkt dieser Entwicklung entgegen, etwa mit der Wanderausstellung „Forschungsexpedition ins Land der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik“. Acht interaktive Exponate bringen Schülern hier das Fachgebiet und seine Anwendung nahe. Schulen haben die Möglichkeit, die Ausstellung im Alfried Krupp-Schülerlabor an der Ruhr-Universität Bochum (http://www.aks.rub.de/) zu besuchen oder die interaktiven Exponate für besondere Anlässe auszuleihen. Auch eine visualisierte Darstellung der MatWerk-Berufe und Karrieren anhand zahlreicher DGM-Nachwuchsfilme (http://www.youtube.com/user/MatWerkMedia/) soll Schülern das Fachgebiet nahebringen. So soll die Disziplin innerhalb der schulischen Naturwissenschaften besser wahrgenommen werden. Eine weitere Maßnahme ist das DGM-Studienhandbuch Materialwissenschaft und Werkstofftechnik (www.dgm.de), das für Transparenz in der Vielfalt des Studienangebots sorgt und Wege in die diversen Berufszweige des MatWerkers aufzeigt. Schließlich braucht unsere Gesellschaft MatWerk-Talente, die neue innovative Werkstoffe hervorbringen, welche noch mehr zu Langlebigkeit, Sicherheit und Ressourceneffizienz der Produkte beitragen und auch in Zukunft bestand haben.

Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V. (DGM) ist die größte technisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft auf dem Gebiet der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik (MatWerk) in Europa. Die DGM fördert mit ihren interdisziplinären Fachausschüssen, Veranstaltungs- sowie Fortbildungsreihen den Dialog zwischen Wissenschaft und Industrie. Damit gewährleistet sie den Technologietransfer in Deutschland. Der Verein mit Sitz in Berlin sorgt für eine deutschlandweite und internationale Vernetzung der Experten und organisiert europaweit Tagungen und Kongresse. In Regionalforen fördert die DGM die regionale Vernetzung der Materialwissenschaftler und Werkstofftechniker und bringt Wissenschaft und Industrie vor Ort ins Gespräch. Die Fachausschüsse der DGM decken nahezu alle Materialklassen, Prozesstechniken zur Materialherstellung und -verarbeitung, Erkenntnis- und Anwendungsfelder im Bereich der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik ab.

Die DGM bietet der MatWerk-Jugend mit DGM-Nachwuchsausschuss, Jung-DGM-Ortsgruppen, DGM-MatWerk-Akademie und DGM-Nachwuchsforum eine Plattform. In diesen Gremien und Veranstaltungen werden zukünftige Nachwuchs-MatWerker auf ihrem Karriereweg, sowohl in der Wissenschaft als auch Industrie, begleitet und mit außeruniversitären Kompetenzen ausgestattet.

Der Nachwuchsausschuss ist das Gremium innerhalb der DGM, das sich aus Professoren, Postdocs, Doktoranden und Studenten zusammensetzt und sich den Interessen des Nachwuchses widmet. In den halbjährlichen Sitzungen des Nachwuchsausschusses beraten und beschließen die Mitglieder Maßnahmen zur Weiterentwicklung des MatWerk-Nachwuchses (www.dgm.de/nachwuchs).

**Erhebung des Statistischen Bundesamts für das Wintersemester 2015/16