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Im Studium neue Metallschäume international erforscht: Preis für junge Materialwissenschaftlerin

Jutta Luksch hat in ihrem Studium mitgeholfen, eine Weltneuheit zu entwickeln, im Rahmen von Praktika am Imperial College in London wie auch in Prag geforscht, für ihre Messungen Spezialgeräte am Helmholtz-Zentrum Berlin und in Lyon genutzt – und: Sie hat schon wissenschaftliche Publikationen vorzuweisen. Jetzt erhält die Nachwuchsforscherin den Ulrich-Gonser-Preis. Mit diesem Preis zeichnet die Saarbrücker Materialwissenschaft und Werkstofftechnik jedes Jahr den besten Absolventen ihrer internationalen Master-Studiengänge aus. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Fachrichtungs-Feier am Freitag, dem 7. Juni, um 17.30 Uhr in der Aula (A3 3) auf dem Saarbrücker Campus statt.

Sie halten sogar Explosionen stand: Die Metallschäume, die die Materialforscher Anne Jung und Stefan Diebels von der Universität des Saarlandes entwickeln, sind luftig leicht, aber extrem belastbar. Sie können als Schutzwände bei Sprengungen oder als Aufprallschutz im Auto dienen. Ihr Geheimnis ist ein Gerüst feiner Bälkchen, die im Innern des Metallschaums Platz lassen für unzählige Hohlräume, ganz nach dem natürlichen Vorbild von Knochen. Es handelt sich um eine Weltneuheit: Als erster Gruppe ist es den Saarbrücker Forschern gelungen, die eigentlich weichen Bälkchen gleichmäßig durch eine patentierte Spezial-Beschichtung von innen heraus beinhart zu machen. Mit ihren wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu den Eigenschaften dieser Metall-Bälkchen sind sie international führend.

An dieser Forschung ist Jutta Luksch seit fünf Jahren beteiligt: Die 27-jährige Materialwissenschaftlerin ist seit dem zweiten Bachelor-Semester studentische Mitarbeiterin von Anne Jung am Lehrstuhl von Stefan Diebels. „Das ist hier an der Universität des Saarlandes üblich: Die Forscher sprechen einen früh an, ob man in Forschungsprojekten mitarbeiten möchte. Wer will, hat hier viele Möglichkeiten“, sagt Jutta Luksch, die eigens fürs Studium aus Neuss ins Saarland kam. „Hier ist das Betreuungsverhältnis von Wissenschaftlern und Studierenden sehr gut. Alle Türen stehen einem offen“, sagt sie. Für Naturwissenschaften hat sich Luksch schon immer interessiert. „Materialwissenschaft habe ich deshalb gewählt, weil hier alles in einem Fach vereint ist: Mathematik, Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften – gerade diese Kombination verschiedenster Fächer finde ich spannend. Das Fach ist sehr anwendungsbezogen. Auch die experimentelle Arbeit ist sehr vielfältig“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Hier kann ich etwas machen, was die Welt weiterbringt.“ Jutta Luksch befasste sich sowohl für ihre Bachelor- wie ihre Masterarbeit mit den Bälkchen des Metallschaums und arbeitete dafür eng mit ihrer Betreuerin Anne Jung zusammen. In vielen Experimenten, Simulationen, Zug- und Biegeversuchen untersuchte sie die mechanischen Eigenschaften der Einzelbälkchen. „Sie konnte unter anderem zu Erkenntnissen darüber beitragen, wie eine Vorbehandlung der Schäume die Haftung der Nickelbeschichtung auf den einzelnen Bälkchen verbessert und so den ganzen Schaum stabiler macht“, sagt Privatdozentin Anne Jung. Damit hatte Jutta Luksch schon im Studium Anteil an Forschung von Weltrang.

Überhaupt sind die Saarbrücker Materialforscher international vernetzt. Anne Jung etwa arbeitet mit Forschern in aller Welt zusammen. Von diesen Kontakten profitieren auch die Studenten: So verbrachte Jutta Luksch im Rahmen von Praktika eine Zeitlang am Imperial College in London, einer der renommiertesten Universitäten der Welt, und an der Czech Technical University in Prag. „Unter anderem mit diesen Universitäten haben wir Austauschprogramme initiiert. Die Studenten haben dadurch die Chance, dort Praktika zu absolvieren oder für gewisse Zeit zu studieren“, erläutert Anne Jung.

Auch durch ihre Forschungsarbeit am Lehrstuhl kam Jutta Luksch herum: So fuhr sie mit Anne Jung nach Berlin, um am dortigen Helmholtz-Zentrum die Synchrotron-Strahlungsquelle BESSY II für ihre Messungen zu nutzen. Und in Lyon forschte sie an einem Röntgen-Computertomographen. „Ich hatte eine wirklich gute Zeit während des ganzen Studiums“, sagt die junge Forscherin rückblickend, die jetzt an der Saar-Uni ihre Promotion am Lehrstuhl für Experimentelle Methodik der Werkstoffwissenschaften von Professor Christian Motz begonnen hat: ein Zentrum für Rastersondenmikroskopie, wo sich alles darum dreht, Werkstoffeigenschaften auf verschiedensten Längenskalen von Nanometer bis zur Makroprobe zu bestimmen.

Die Saarbrücker Materialwissenschaft und Werkstofftechnik verleiht Jutta Luksch jetzt den Ulrich-Gonser-Preis. „Mit diesem Preis würdigen wir die Qualität des Masterabschlusses und besondere Leistungen im Studium“, erklärt der Saarbrücker Materialforscher und Professor für Funktionswerkstoffe Frank Mücklich, der den Ulrich-Gonser-Preis initiiert hat. „Neue Materialien und Werkstoffe bergen ein großes Innovationspotenzial in vielen Bereichen. Hoch qualifizierte Fachleute, die sich in anderen Sprachen und Kulturen auskennen, sind gesucht. Deshalb legen wir in unserem Fach besonders Wert auf frühe Einbindung in die Forschung und internationale Studienerfahrungen. Wir bieten auch mehrere internationale materialwissenschaftliche Studiengänge an“, sagt er.

Die Fachrichtung verleiht den Ulrich Gonser-Preis in Kooperation mit der Europäischen Schule für Materialforschung (Eusmat) an der Saar-Uni und der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM). Die Universitätsgesellschaft des Saarlandes unterstützt den Preis, der den Namen des 2007 verstorbenen, international renommierten Professors für Metallphysik der Saar-Uni trägt.

Kontakt für die Medien:
Jutta Luksch:
Tel.: 0681 / 302-5163, E-Mail: j.luksch@matsci.uni-saarland.de

Privatdozentin Dr.-Ing. Dr. rer. nat. Anne Jung:
Tel.: 0681 / 302-2169, E-Mail: anne.jung@mx.uni-saarland.de

Prof. Dr. Frank Mücklich:
Telefon: 0681 / 302-70501; E-Mail: muecke@matsci.uni-sb.de 

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Hintergrund: 
Die Materialwissenschaft und Werkstofftechnik der Universität des Saarlandes
zählt mit elf Professoren und rund 300 Forscherinnen und Forschern zu den Top 5 der deutschen Forschungsstandorte auf diesem Gebiet. Nur wenige Universitäten in Deutschland weisen einen solchen Schwerpunkt auf. Auf dem Campus befinden sich außerdem das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP), das Leibniz Institut für neue Materialien (INM) und das Steinbeis-Forschungszentrum für Werkstofftechnik (MECS), die alle eng mit der universitären Forschung vernetzt sind.

Studenten können zwischen internationalen Studiengängen wie „Atlantis“, „EEIGM“ und „AMASE“ wählen oder das nationale Bachelor- und Masterprogramm studieren. Auch ein Studiengang Materialchemie ist im Angebot. Mit dem europäischen Graduiertenkolleg DocMASE gibt es ein Angebot zur Doppel-Promotion. Alle internationalen Studiengänge werden seit 2008 von der europäischen Schule für Materialforschung (EUSMAT) an der Saar-Universität koordiniert. EUSMAT bietet zum Beispiel mit dem Masterprogramm „AMASE“ ein zweisprachiges Studium wahlweise in den Sprachen Englisch, Spanisch, Deutsch und Französisch an, das im Verbund mit Lulea in Schweden, Barcelona und Nancy jeweils einen Doppelabschluss ermöglicht.

http://www.uni-saarland.de/fachrichtung/mwwt/startseite.html

http://www.uni-saarland.de/einrichtung/eusmat.html

Der Preis ist benannt nach Professor Dr. Ulrich Gonser, der von 1969 bis 1991 an der Saar-Uni tätig war, und das Institut für Metallphysik und Metallkunde leitete. Gonser war maßgeblich an der Gründung des Fraunhofer-Instituts für Zerstörungsfreie Prüfverfahren beteiligt und einer der Pioniere der sogenannten „Mößbauer-Spektroskopie“. Zusätzlich zu seinen wissenschaftlichen Leistungen hat er große Verdienste um den weltweiten wissenschaftlichen Austausch. Dank seiner internationalen Karriere hatte er von Anfang an ein internationales Team in Saarbrücken um sich geschart.