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Internationale Ideenschmiede für neue Materialie – 300 Saarbrücker Materialforscher vernetzen sich mit Werkstoffindustrie

An der Universität des Saarlandes und drei außeruniversitären Forschungsinstituten befassen sich rund 300 Wissenschaftler mit neuen Materialien und Werkstoffen. Ihr Spezialwissen kommt im neuen DGM-Regionalforum Saar der Industrie zugute.

Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V. (DGM) geht neuerdings in die Provinz, denn diese hat es in sich: Im Saarland ist ein Forschungscampus für Materialwissenschaft und Werkstofftechnik entstanden, an dem rund 300 Wissenschaftler der Universität und drei weiterer Forschungsinstitute beteiligt sind. Dazu zählen das Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM), das Fraunhofer Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP) und das Steinbeis-Forschungszentrum für Werkstofftechnik (MECS). Die DGM hat Anfang des Jahres ein Regionalforum im Saarland gegründet, mit dem sie die forschungsstarken Zentren der Werkstofftechnik in Deutschland unterstützen will. Zuvor gab es nur in Dresden als deutschlandweit größtem Standort ein solches Regionalforum. 

Die Materialforscher in Saarbrücken wollen sich in diesem Forum enger mit der Werkstoffindustrie vernetzen, die auch eine der tragenden Säulen der saarländischen Wirtschaft darstellt. Nicht nur die großen Unternehmen der Stahlindustrie, also Dillinger Hütte und Saarstahl AG, sind daran interessiert. Auch Automobilzulieferer wie Neue Halberg-Guss GmbH, Eberspächer und Bosch haben Werke im Saarland. Hinzu kommt die Keramikindustrie mit der Villeroy & Boch GmbH und Nanotechnologie-Firmen wie Nanogate, die mit innovativen Werkstoffen den Markt erobern. Gemeinsam mit diesen Unternehmen und weiteren mittelständischen Firmen haben die Saarbrücker Materialwissenschaftler im vergangenen Jahr schon den Forschungscampus caMPlusQ gegründet, um in der Materialentwicklung, Prozesstechnik und Qualifizierung von Mitarbeitern stärker zusammenzuarbeiten (siehe Abb. 1). Das DGM-Regionalforum soll für diesen Verbund die zentrale Veranstaltungs- und Kommunikationsplattform werden und den regelmäßigen Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie sichern. 

„Weltweit entwickeln Wissenschaftler maßgeschneiderte Werkstoffe und neue Materialien mit faszinierenden Eigenschaften. Wie wir aus einer Studie der Akademie der Technikwissenschaften wissen, sind deutsche Exportgüter zu etwa 70 Prozent besonders deshalb am Weltmarkt erfolgreich, weil sie innovative Werkstoffe nutzen“, sagt Frank Mücklich, Professor für Funktionswerkstoffe der Universität des Saarlandes und Leiter des Steinbeis-Forschungszentrums für Werkstofftechnik (MECS). Hier setzen die Wissenschaftler des DGM-Regionalforums Saar an. Sie wollen ihre Kenntnisse über verbesserte Werkstoffe und neue Technologien vor allem den international tätigen regionalen Konzernen aber auch mittelständischen Firmen anbieten, die über keine eigenen Forschungsabteilungen verfügen. 

„Wir wollen zudem gemeinsam mit den Unternehmen Prozessabläufe analysieren, um beste Qualität zu garantieren und Energie oder auch teure Rohstoffe einzusparen“, erläutert Dirk Bähre, Professor für Fertigungstechnik der Saar-Uni und einer der Koordinatoren des Forschungscampus. Bei den bisherigen Forschungsprojekten mit der Industrie habe es sich gezeigt, dass die Unternehmen außerdem einen hohen Bedarf an qualifizierter Weiterbildung ihrer Mitarbeiter haben. „Ähnlich wie in der Informationstechnologie ist die Entwicklung in der ebenfalls stark interdisziplinären Werkstofftechnik rasant. Die Ingenieure in den Betrieben müssen sich daher laufend fortbilden, um den Anschluss an neue Technologien und Werkstofflösungen nicht zu verpassen“, erläutert Bähre. 

Gemeinsam mit der Steinbeis-Hochschule in Berlin werden die Saarbrücker Wissenschaftler Weiterbildungskurse anbieten, die individuell auf die Bedürfnisse der Firmen abgestimmt werden. Dabei fließen aktuelle Ergebnisse aus der Grundlagenforschung und die präzisen Analysemethoden ein, die an der Universität des Saarlandes und den Forschungsinstituten entwickelt werden. 

Nachwuchsforscher in Saarbrücken sind international
Die Universität des Saarlandes bietet mehrere internationale Studiengänge in der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik an. Diese locken Studenten und Doktoranden aus der ganzen Welt nach Saarbrücken. Eine Gruppe engagierter Materialwissenschaftler hat zudem eine Studenteninitiative gegründet, die Jung-DGM Saarbrücken als Nachwuchsorganisation der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde. „Wir möchten die Studenten während ihres Studiums unterstützen und begleiten. Dafür organisieren wir auch Exkursionen, etwa zu Unternehmen und interessanten Arbeitgebern und bieten überfachliche und berufsorientierte Weiterbildungen an“, erläutert Sarah Fischer, eine der studentischen Initiatoren. 

Dass ein Interesse an diesen Nachwuchsforschern auch von Seiten der Unternehmen besteht,  darauf hatte die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bei der Eröffnung des Forschungscampus Saar hingewiesen. „Auf dem Universitätscampus werden in der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik Studenten und Doktoranden auf hohem Niveau ausgebildet. Über gemeinsame Projekte im Rahmen des Forschungscampus können Unternehmen diese jungen Fachkräfte frühzeitig auf sich aufmerksam machen und dann möglicherweise langfristig an sich binden“, sagte die Ministerpräsidentin. Sie zeigte sich darüber erfreut, dass auch Unternehmen aus der Großregion davon profitieren werden. „Die Automobilzulieferer und die Stahlindustrie im Saarland unterliegen einem harten weltweiten Wettbewerb. Hier können Innovationen, die mit Hilfe neuer Werkstoffe entstehen, der entscheidende Impuls für neue Aufträge sein“, sagte Kramp-Karrenbauer. Für die Unternehmen biete es außerdem Vorteile, wenn sie die qualifizierten Weiterbildungsangebote systematisch für ihre Mitarbeiter nutzen könnten. 

Kontakt:
DGM-Regionalforum Saar
Prof. Dr. Frank Mücklich
Telefon 0681/302-70500
E-Mail: muecke@matsci.uni-sb.de
www.camplusq.de
www.materialwissenschaft.uni-saarland.de