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Liebe Mitglieder und Freunde der DGM, liebe Leserinnen und Leser,

aktuell mehren sich die Zeichen für einen größeren Konjunktureinbruch. Unbekannt ist, welches Ausmaß der zu erwartende Abschwung annehmen wird. Sicher dagegen ist, dass sich ökomomische Krisen immer auch auf die Gemeinschaftsarbeit der technisch-wissenschaftlichen Vereine auswirken. Denn in solchen Phasen geizen die Unternehmen mit der Finanzierung von Tagungsreisen und Fortbildungsveranstaltungen.

Die DGM hat in ihrer nun fast 100-jährigen Geschichte eine ganze Reihe von Krisen gemeistert. In diesen Zeiten wurde die Tonlage in den Vorstandssitzungen – was wenig überrascht – erheblich rauer. Da die DGM immer zu den kleinsten technisch-wissenschaftlichen Gesellschaften zählte, verfügte sie gegenüber ihren großen Schwestern über deutlich geringere Ressourcen. Wie gelang es ihr trotzdem, die Krisen zu meistern?

Auch nach dem Wiedervereinigungsboom zu Anfang der 1990er Jahre verschlechterte sich ab Ende 1992 die Auftragslage der metallverarbeitenden Unternehmen. In der Folge musste die DGM ihr Tagungs- und Fortbildungsprogramm deutlich reduzieren. Sogar die Zahlungsmoral der Mitglieder ließ zu wünschen übrig – Mitarbeitenden der Geschäftsstelle musste gekündigt werden. In dieser Situation bündelten die DGM und ihre Schwestervereine die Kräfte und beschlossen im Herbst 1994, nach dem Vorbild der jährlichen „Materials Week“ in den USA eine gemeinsame Großveranstaltung durchzuführen. Tatsächlich erwies sich die dann erstmals 1996 in Stuttgart durchgeführte „Werkstoffwoche“ als Befreiungsschlag.

Gerade ist die 2015 neu etablierte „WerkstoffWoche“ in Dresden wieder erfolgreich zu Ende gegangen. Gemeinsam mit der „Materials Science and Engineering“ (MSE) in Darmstadt, mit der sie sich im Jahresturnus abwechselt, ist sie Garant nicht nur für die finanzielle Stabilität unserer Gesellschaft: Sie verkörpert vor allem auch jenen Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Industrie, für den die DGM seit ihrer Gründung 1919 steht. So kann unsere Gesellschaft gut gerüstet in ihre nächsten 100 Jahre gehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende und fruchtbare Lektüre unseres Newsletters.

Ihr
Prof. Dr. rer. nat. Helmut Maier
Ruhr-Universität Bochum
Leiter DGM-Fachausschuss Geschichte