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Liebe Mitglieder und Freunde der DGM, liebe Leserinnen und Leser,

beinahe täglich erreichen uns derzeit Hiobsbotschaften über die Entwicklung der internationalen Beziehungen.

So gilt einigen britischen Exponenten die Abkehr vom europäischen Wirtschaftsraum als Allheilmittel nationaler Probleme aller Art. Die neueste Absurdität erklärt Automobilimporte zur Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA. Das ist tragisch, denn der Mehrwert der über Jahrzehnte mühsam erkämpften politischen Entspannung einschließlich des – nicht zuletzt durch die Materialwissenschaft und Werkstofftechnik – gesicherten Wohlstands wird so ohne Not bedroht. Ein Blick in die nunmehr fast 100-jährige Geschichte der DGM mit ihren Internationalisierungsbestrebungen ist da lehrreich. 

Noch im Jahre 1923 verglich der DGM-Vorsitzende William M. Guertler die wirtschaftliche Lage Deutschlands mit der eines „einsamen Schiffs in Seenot“. Auch waren deutsche MatWerker teils noch bis Anfang der 1930er Jahre auf der internationalen Bühne unerwünscht. Tatsächlich waren es dann ausgerechnet die Briten, die ihnen nach dem Ersten Weltkrieg über die DGM die Rückkehr in die „scientific community“ ermöglichten. Als Motor der Wiederannäherung erwies sich das Institute of Metals (IoM) mit seinem hoch angesehenen Präsidenten Walter Rosenhain. Er sorgte dafür, dass das IoM seine Herbsttagung 1929 gemeinsam mit der DGM in Düsseldorf durchführte. „Wir wollen hoffen, dass internationale Zusammenarbeit zwischen Metallurgen und Ingenieuren in Zukunft dazu dient, einen wirklichen und beständigen Frieden zu erhalten“, lautete seine Grußbotschaft.

Welch hohes Gut die internationalen Beziehungen gerade auch in wirtschaftlicher Hinsicht darstellten, wusste der damalige Generaldirektor der Vereinigten Aluminiumwerke AG, Max von der Porten, nur allzu gut aus eigener Erfahrung. Wie Rosenhain richtete er deshalb 1929 eine Friedensbotschaft an die ausländischen Gäste in Düsseldorf – verbunden mit der Hoffnung, „dass das kommende Jahrhundert den Bergbau, die Hüttenkunde, die Metallkunde und die Metallindustrie als wirksamste Hilfsmittel im friedlichen Kampf der Völker um die Schaffung von Kulturgütern in der Geschichte der Menschheit bezeichnen wird.“

An diese schönen historischen Erfolge der DGM kann man im Rahmen ihres bevorstehenden
100. Geburtstags im November 2019 nicht oft genug erinnern. Gerade in unseren politisch wieder einmal stürmischen Zeiten.

Teil 2: DGM-Geschichte

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende und fruchtbare Lektüre unseres Newsletters.

Ihr
Prof. Dr. rer. nat. Helmut Maier
Ruhr-Universität Bochum
Leiter DGM-Fachausschuss Geschichte