Artikel

Liebe Mitglieder und Freunde der DGM, liebe Leserinnen und Leser,

Georg-Sachs-Preis, die Aktualität der Geschichte und die Notwendigkeit politischer Bildung

Natur- und Ingenieurwissenschaftler begreifen sich mehrheitlich als eher „unpolitisch“. Trotzdem würde die Mehrzahl auf Nachfrage wohl ihre Ablehnung gegenüber dem wachsenden Rechtspopulismus zum Ausdruck bringen. Ebenso einhellig ist das Entsetzen auf der entgegengesetzten Seite des Globus. Aber: Was hat dies mit der Geschichte der DGM zu tun?

 

Das Fundament unseres politischen Systems wurde kurz nach dem Ende des „Dritten Reiches“ gelegt, als im Jahre 1949 unser Grundgesetz verabschiedet wurde. Es galt zu verhindern, dass jemals wieder Anhänger abstruser Ideologien den Staat und seine Institutionen unterwandern könnten. Hier bildet die Geschichte der DGM zwischen 1933 und 1945 ein idealtypisches Beispiel. Denn auch in den Reihen unserer Gesellschaft wurden Minderheiten drangsaliert und zur Emigration gezwungen. So verlor die DGM mit Georg Sachs (1896-1960) – Namensgeber des gleichnamigen Preises – eines ihrer renommiertesten Mitglieder. Und ab Mitte der 1930er Jahre lancierte der NS-Staat ein gewaltiges Investitions- und Innovationsprogramm, von dem unter anderem das KWI für Metallforschung massiv profitierte. Bis 1945 stellte sich die DGM in den Dienst der Autarkie- und Rüstungsforschung für die verbrecherischen Angriffskriege. Auch diese beiden Seiten der populistischen Medaille, die ich gerade im Rahmen meiner Arbeit zur DGM-Geschichte aufbereite, können Sie hier nachlesen.

Aus dieser Perspektive wird leicht ersichtlich, warum auch die Geschichte der DGM einen Teil politischer Bildung darstellt. Sie liefert Argumente, um den Scheinlösungen der Populisten entgegenzutreten. Daher kann man sich der aktuellen Forderung nach mehr politischer Bildung, auch im Vorfeld des 100. Geburtstags unserer Gesellschaft im November dieses Jahres, nur anschließen. Aus meiner Sicht als Historiker ist es dabei unsere Aufgabe, jeder neuen Studierendengeneration zu erklären, auf welchen Fundamenten unsere freiheitliche Gesellschaft ruht. Gerade Natur- und Ingenieurwissenschaftler sollten gute politische Argumente für ihren weiteren Werdegang mit auf den Weg bekommen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende und fruchtbare Lektüre unseres Newsletters.

Ihr
Prof. Dr. rer. nat. Helmut Maier
Ruhr-Universität Bochum
Leiter DGM-Fachausschuss Geschichte