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Liebe Mitglieder und Freunde der DGM, liebe Leserinnen und Leser,

nachdem die Folgen der Lehmann-Pleite 2008 überwunden waren, erlebte die Wirtschaft einen anhaltenden Boom. Gerne werden Vergleiche mit dem legendären „Wirtschaftswunder“ der 1950er und 1960er Jahre gezogen.

Doch seit Dezember 2018 reißen die Meldungen über das Ende der Hochkonjunktur nicht ab. Die Prognosen der Wirtschaftsweisen und des Bundeswirtschaftsministers lassen wenig Gutes erahnen. Als Mittel der Wahl, Krisen entgegenzusteuern, gilt die Steigerung der Forschungsausgaben der Unternehmen und des Staates. Der Appell, Innovationen in Gang zu setzen, richtet sich auch an das BMBF.

Die DGM verfügte zu keiner Zeit über einen eigenen „Forschungsetat“, jedoch – durch ihre verschiedenen Austauschforen – über Instrumente der Innovationsförderung der besonderen Art. Bereits kurz nach der Neugründung 1947 rief sie mehrere neue Fachausschüsse ins Leben; am Ende der Boomphase des „Wirtschaftswunders“ 1966 war ihre Zahl auf sechszehn angestiegen. Bis 1972 kamen acht weitere hinzu. In diesen Fachausschüssen realisierte sich das Konzept der DGM-Gründungsväter von 1919: nämlich das eines Brückenschlags zwischen Wissenschaft und Praxis. Ein weiteres Indiz bildete die Entwicklung der Mitgliederzahlen, die von 260 im Jahr 1947 auf über 1100 im Jahr 1966  anstieg.

Die Zeitreise in das Land des „Wirtschaftswunders“ zeigt uns, dass die Innovationen auch damals vor allem von der staatlichen Technologiepolitik abhängig waren. So legte die Bundesregierung in den 1950er Jahren ein Titan-Forschungsprogramm auf. Als Mittler zwischen der „Wirtschaftsvereinigung Nichteisen-Metalle“, der Regierung und der Forschung wurde der „Stifterverband Nichteisenmetalle“ gegründet. Nicht zuletzt verdankte die DGM der Wirtschaftsvereinigung die Mittel zur Gründung einer professionellen Geschäftsstelle. Auch wenn deren Höhe von damals heute äußerst bescheiden anmutet, gelang es trotzdem, die Krise der 1960er Jahre zu überwinden.

So können wir hoffentlich auch heute, im 100. Jubiläumsjahr der DGM-Gründung, der Krise getrost ins Auge blicken. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende und fruchtbare Lektüre unseres Newsletters.

Ihr
Prof. Dr. rer. nat. Helmut Maier
Ruhr-Universität Bochum
Leiter DGM-Fachausschuss Geschichte