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Nachruf Prof. Dr. Robert F. Singer

Am 26. Januar 2019 verstarb völlig überraschend Prof. Dr. Robert F. Singer im Alter von 68 Jahren.

 

Robert Singer, geboren am 17. April 1950 in Jena, war einer der ersten Studierenden des neuen Erlanger Studiengangs Werkstoffwissenschafen. Nach seiner Assistententätigkeit und Promotion 1978 bei seinem Lehrer Bernhard Ilschner ging er 1979 als Postdoc zu Bill Nix an die Stanford University in Kalifornien USA. Er kehre 1980 zurück nach Europa und begann eine Tätigkeit bei ABB in Baden (Schweiz). Dort war er in verschiedenen Bereichen der Werkstofftechnik tätig, zuletzt als Leiter der Abteilung Keramik in der Konzernforschung und Koordinator der internationalen Brennstoffzellenaktivitäten des Konzerns. 1991 erhielt er den Ruf auf den Lehrstuhl für Werkstoffkunde und Technologie der Metalle (WTM)  an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Neben seinen vielfältigen Hochschultätigkeiten steht sein Name auch für die anwendungsnahen Fürther Forschungsinstitute, die er mit einzigartigem Engagement zum Erfolg geführt hat. So gründete er im Jahre 2000 die Neue Materialien Fürth (NMF) GmbH, der er bis zu seinem Tod als Geschäftsführer vorgestanden hat. Die NMF konzipierte er als eine anwendungsnahe Forschungseinrichtung des Freistaates Bayern mit dem Ziel, in enger Kooperation mit Partnern aus der Industrie neue Werkstoffe und Herstellungsverfahren in industrienahen Lösungen umzusetzen. 2006 gründete er zudem das Fürther Zentralinstitut für Neue Materialien und Prozesstechnik (ZMP) der Universität Erlangen-Nürnberg, in dem Wissenschaftler/innen aus den Werkstoffwissenschaften, Chemie und Chemieingenieurwesen bzw. Maschinenbau zusammen anwendungsnahe Forschung betreiben.

In den Jahren 2006/2007 übte er das Amt des Präsidenten der Federation of European Materials Societies (FEMS) aus. Im Laufe seines Berufslebens hat er eine Vielzahl an Preisen/Auszeichnungen erhalten, wie z.B. den Georg-Sachs-Preis (1985), die Heyn-Denkmünze (2010) und den Max-Grundig-Gedächtnispreis (2014). Er war Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Ehrenmitglied der FEMS und erhielt ehrenvolle Rufe nach Delft (1991) und Bremen (2001).

Robert Singer war ein renommierter Wissenschaftler, Hochschullehrer und Manager mit hoher nationaler und internationaler Sichtbarkeit und Ausstrahlung. Er war in vielen technischen und wissenschaftlichen Fachgremien tätig, wie z.B. der Expertengruppe der European Science Foundation MatSEEC im Gebiet Materialwissenschaften oder dem Advisory Board M2i Materials Innovation Institute in Delft. Das Forschungsfeld von Robert Singer war die Korrelation zwischen dem Herstellungsprozess, der daraus resultierenden Mikrostruktur und den mit der Mikrostruktur verbundenen Eigenschaften metallischer Werkstoffe. Zwei Forschungsgebiete standen für ihn dabei immer im Vordergrund, die Entwicklung neuer Fertigungsverfahren für Werkstoffe und Bauteile, und die parallele Bereitstellung hierfür maßgeschneiderter Werkstoffe. Er hat durch die Umsetzung neuer, innovativer Verfahrenskonzepte wichtige Beiträge im Bereich Gießereitechnik und Pulvermetallurgie geleistet. Dazu gehören der Feinguss von Superlegierungen, das Thixospritzgießen von Magnesium und das kontinuierliche Strangpressen von Pulvern. Besonders am Herzen lag ihm die Entwicklung neuer Nickelbasis-Superlegierungen, deren Herstellungsverfahren und Fügeprozesse. Er ist Vorreiter in der systematischen, thermodynamisch basierten numerischen Entwicklung neuer Superlegierungen. Neben der Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen war für ihn immer auch die industrielle Umsetzung der Ergebnisse ein zentrales Anliegen.

Robert Singer war eine herausragende Persönlichkeit, die mit wissenschaftlicher Exzellenz und Entschlossenheit in vielen Bereichen scheinbar Unmögliches erreichte. Seine unermüdliche und erfolgreiche Arbeit und sein visionärer Fokus auf Zukunftsthemen haben nicht nur den Lehrstuhl WTM, sondern auch sein wissenschaftliches Umfeld entscheidend und nachhaltig geprägt. Als Hochschullehrer war er für die fachliche und persönliche Entwicklung einer Vielzahl von Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Vorbild, Motivator und Mentor.

Wir alle, die wir Robert Singer kennen und schätzen gelernt haben, und die wir Gelegenheit hatten, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen, sind von seinem plötzlichen Tode zutiefst betroffen. Noch vor drei Wochen durften die Autoren dieses Nachrufes Robert Singer auf einem Treffen des SFB/Transregio 103 „Superlegierungen“ erleben, das an seinem geliebten zweiten Wohnsitz in Grainau an der Zugspitze stattfand. Robert Singer hat auch diesen SFB mit seiner Weitsicht und seinem großen Wissen mitinitiiert, mitgestaltet und geprägt. Alle Beteiligten werden ihn sehr vermissen.

Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde trauert um einen erfolgreichen Wissenschaftler und hochgeschätzten Kollegen und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

C. Körner, Erlangen

M. Göken, Erlangen

G. Eggeler, Bochum