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Nachruf Prof. em. Dr.-Ing. Klaus Detert

Am 30.03.2017 verstarb Prof. em Dr.-Ing. Klaus Detert im Alter von 90 Jahren. Mit Klaus Detert verliert die Familie Detert einen geliebten, gütigen Ehemann, lieben Vater und Schwiegervater, die Universität Siegen einen allseits hoch geschätzten Professor, der sich mit Leib und Seele als Hochschullehrer eingebracht hat, die DGM ein langjähriges und verdientes Mitglied und die Metallkunde einen wichtigen Zeitzeugen, der ihre Entwicklung viele Jahrzehnte lang begleitet und mitgeprägt hat.

Prof. Detert wurde am 29.11.1926 als Sohn einer Juristenfamilie in Berlin geboren. Seine Liebe zur Technik wurde, wie er oft erzählt hat, bereits in seiner Kindheit durch einen Besuch des Deutschen Museums in München geweckt. Diese Neigung stieß bei seinem Vater zunächst auf Unverständnis, da dieser als Rechtsanwalt Ingenieure allenfalls als Gutachter vor Gericht kannte und nicht sonderlich wertschätzte. Klaus Detert besuchte deshalb das humanistische Gymnasium in Zehlendorf, wo er in der Endphase des 2. Weltkriegs ein Notabitur ablegte und sich dann “freiwillig“ zur Marine meldete. Nach Ende des Krieges und einer kurzen Kriegsgefangenschaft schrieb es sich an der TU Berlin zunächst im Studiengang Maschinenbau ein, wechselte dann aber schnell in die Technische Physik, die damals als Folge der beabsichtigten Enttechnisierung Deutschlands als das anwendungsnahste Studienfach galt. In diese Zeit in Berlin kam Klaus Detert in Kontakt mit den Christlichen Pfadfindern, übernahm Verantwortung und erste Führungsaufgaben im zerstörten Berlin und blieb dieser Vereinigung als aktives Mitglied und großzügiger Förderer treu bis zu seinem Lebensende.

Im Rahmen seiner Diplomarbeit kam Klaus Detert zum ersten Mal 1952 mit dem Institut für Metallkunde der TU Berlin in Berührung, das von Prof. O. Dahl geleitet wurde. Im Stammbaum der DGM wird Herr Detert deshalb auch in dem Ast Tammann " O. Dahl" K. Detert aufgeführt. Nach Abschluss der Promotion hatte Klaus Detert die Möglichkeit zusammen mit dem frisch habilitierten Kurt Lücke an die Brown University in Providence, USA, zu gehen. Dieser Aufenthalt, bei dem er – ausgebildet in der damals eher chemieorientierten Metallkunde von Berlin – zum ersten Mal mit Versetzungen konfrontiert wurde, war seine Eintrittskarte in den inneren Zirkel der deutschen Metallkunde. Oft erzählte er, wie er und Lücke damals am Atlantikstrand gesessen sind und Korngrenzen in den Sand gemalt haben. Die Lücke-Detert Theorie der Korngrenzenwanderung in Anwesenheit von Verunreinigungen war ein Ergebnis dieser Bemühungen und hat Klaus Detert wissenschaftlich bekannt gemacht.

1955 ging er zur Vakuumschmelze nach Hanau, um sich mit metallischen Werkstoffen für magnetische Anwendungen zu beschäftigen. Seine DGM-Mitgliedschaft datiert von 1956; er war also 61 Jahre DGM-Mitglied. Der naheliegende Grund für seinen Eintritt in die DGM war die jährliche Metallkundetagung, zu der man von der Vakuumschmelze nur geschickt wurde, wenn man DGM-Mitglied war, wie er später schmunzelnd zugab. 1958 ging er zurück zu Prof. O. Dahl, wo er als Oberingenieur tätig war und 1961 habilitierte.

Sein Engagement in der Metallkunde und seine DGM-Mitgliedschaft trugen auch privat Früchte. 1962 heiratete er seine Frau Barbara, die er auf dem Gesellschaftsabend der Metallkundetagung in Wien kennengelernt hatte und die er selbst liebevoll und scherzhaft als “Ätzmaus“ bezeichnete, da sie Metallographin war und zudem Tochter von Prof. Scheil, MPI Stuttgart.

1963 zog das Ehepaar Detert in die USA, wo Klaus Detert eine Anstellung bei Westinghouse in Pittsburgh erhalten hatte. Viele Patente und Veröffentlichungen aus dieser Zeit zeugen von aktiver und erfolgreicher Forschungs- und Entwicklungsarbeit an höchstfesten Stählen (Maraging Steels) und Aluminiumlegierungen für Raumfahrtprojekte und die Kraftwerkstechnik. Letztere konnte Prof. Detert weiterverfolgen und mitgestalten, da er 1966 zur AEG wechselte, wo er als Leiter des Instituts für Forschung und Entwicklung zuletzt als Direktor tätig war.

Prof. Detert kam schließlich 1977 nach einem ersten abgelehnten Ruf an die damals noch sehr junge Gesamthochschule Siegen, wo er als einer der ersten Forschungsprofessoren das Fachgebiet Werkstofftechnik im Fachbereich Maschinentechnik (später Maschinenbau) vertrat und leitete. Er darf damit mit Fug und Recht als Gründer des Instituts für Werkstofftechnik bezeichnet werden, der mit großer Weitsicht die Bedeutung der materialkundlichen Forschung für dieses Institut und der Notwendigkeit einer universitätsadäquaten und drittmittelfähigen Ausstattung erkannte und diese Erkenntnis konsequent umsetzte. In den 16 Jahren an der Universität Siegen wirkte er als begeisterter und die Studierenden begeisternder Wissenschaftler und Lehrer, übernahm als Dekan von 1982 bis 1986 Verantwortung für den Fachbereich Maschinenbau und engagierte sich unermüdlich auf nationaler und internationaler Ebene für die akademische Ausbildung von Ingenieuren. Geprägt durch seine eigenen USA-Erfahrungen wusste er, wie wichtig Internationalität für Studierende ist. So baute er zahlreiche Kontakte mit ausländischen Universitäten aus und sorgte dafür, dass Studienpläne angeglichen wurden und so ein Studierendenaustausch ohne Semesterverlust möglich wurde. Seine zahlreichen Kontakte im In- und Ausland waren Wegbereiter für viele immer noch bestehende und gelebte Kooperationen der Universität Siegen mit anderen Universitäten, Forschungseinrichtungen und namhaften Industriefirmen.

Auch wenn er sich fachlich nach seiner Emeritierung zurückzog, der Lehre blieb er enthusiastisch noch bis ins hohe Alter treu, indem er regelmäßig eine Vorlesung zum Thema “Mensch in Technik und Kultur“ hielt, in der er auch sein unerschütterliches christliches Weltbild zum Ausdruck brachte. Es war ihm stets ein wichtiges Anliegen, die Verbindung vom christlichen Glauben und Wissenschaft aufzuzeigen. Die Wunder des Universums und des Lebens, die umso wunderbarer werden, je weiter man in ihre Tiefe dringt, haben sein ganzes Leben begleitet und seine Persönlichkeit geprägt.