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The Federation of European Materials Societies-FEMS

Am DGM Tag 2014 in Darmstadt und dem angeschlossenen Nachwuchsform sass ich zwischen jungen und junggebliebenen Material-Wissenschaftlern und –Ingenieuren und dachte an meine ersten Schritte bei der DGM. Mein Doktorvater, Professor Günter Petzow vom Max-Planck-Institut in Stuttgart Büsnau hatte mich noch während meiner Ausbildung in Berlin der DGM nahegebracht und mich mit der Zeitschrift „Metallkunde“ gelockt. „Ganz umsonst für Studenten“ sagte er und damals ohne Computer und Handy oder andere moderne Kommunikationsmittel hatte diese Informationsquelle in meiner Hand einen hohen Wert. Die DGM wurde dann wichtig als Austragungsort für meine ersten Vorträge. Schon damals ging es um die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt, zwischen Erfahrung Sammelnden und Erfahrung Weitergebenden. Ich war erstaunt, dass dieses Thema auch fast 40 Jahre später wieder diskutiert wurde in einer Zeit, in der Vernetzung und Kommunikation zu unserem Alltagsleben gehört oder gehören sollte.

Auch an verschiedenen europäischen Wissenschafts- und Industrie Veranstaltungen an denen ich in den letzten Wochen teilnahm, wurde u.a. über Kommunikation und den sogenannten Wissenstransfer diskutiert. Oft ging es um immer noch bestehenden Lücken zwischen Wissenschaft & Forschung und zwischen Entwicklung & Produktion. Eine Untersuchung über Innovationsbarrieren innerhalb des Europäischen Projekts MatVal (A value chain approach to materials research & innovation, die FEMS ist Partnerin) ergab, dass erfahrungsgemäss die Zeitskalen beim Wissenstransfer für Industrie und Hochschule nicht die gleichen Einheiten haben. Ein französischer Kollege nannte dann auch die Zeitmessung der Industrie die der  „Commerçents“ und die der Wissenschaftler die Zeitmessung der „Cathedrales“. Die Federation of European Materials Societies, FEMS versucht den Spagat, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gruppen von Akteuren zu aktivieren. Wir sind dafür verantwortlich unseren 28 Mitgliedsgesellschaften mit fast eben so vielen Sprachen und rund 25'000 Mitgliedern einen Service zu liefern, der möglichst vielen von Ihnen zusätzliche Werte schafft und die Kommunikation zwischen Jung und Alt, Wissenschaftlern und Ingenieuren, und zwischen Forschern/Erfindern (Invention)  und Verkäufern von Neuerungen (Innovation) verbessert und „Sprünge“ in den Zeitmessungen überbrückt. Vieles wurde in den letzten Jahren zusätzlich zu den bereits bestehenden wichtigen Tagungen, die alle zwei Jahre stattfinden (EUROMAT jedes ungerade Jahr und JUNIOR EUROMAT, jedes gerade Jahr) aufgebaut. Die beiden „Alt“-Präsidenten Prof. Dr. Pedro Portella und Prof. Dr. Ehrenfried Zschech, beide aus der deutschen Materialszene haben sich zum Einen in MatSEEC engagiert – einer von der European Science Foundation (ESF) gebildeten Arbeitsgruppe – und zum anderen MatVal initiiert, ein Europäisches Projekt im 7. Rahmenprogramm. In beiden Projekten geht es darum, innerhalb von Materialwissenschaft und -engineering deutlich zu machen, dass unsere heutigen Produkte ohne Forschung und Entwicklung im Materialbereich auf der gesamten Wertschöpfungskette keinerlei Zukunft haben. Dies schliesst bereits die Ausgangsmaterialien (raw materials) ein, die zum Teil über Recycling mit dem sogenannten „urban mining“ wieder in die Produktion eingespeist werden. Hier muss Forschung und Entwicklung bei Hochschule und Industrie zusammenspannen, um den europäischen Produktionsstandort zu wahren und zu festigen. In MatSEEC haben viele Experten unter anderem aus den Gesellschaften der FEMS an einem der letzten Berichte mitgearbeitet (Metallurgy Europe) und an die 100 Industriefirmen haben dieses Thema unterstützt. Damit erhält die klassische Metallkunde, die ich noch aus der Zeit meiner Giessereiausbildung und der Ausbildung an der TU Berlin und am MPI in Stuttgart kenne, eine Renaissance, ist sie doch wichtig in allen Industriesektoren ob für die Bau-, die Automobil- oder Kommunikationswirtschaft oder für Implantathersteller. FEMS ist mit Experten aus seinen Mitgliedergesellschaften und der Mitgliedschaft in MatSEEC Teil dieser Initiative, ist Teil Europäischer Forschungsprojekte (ein nächstes, das ein „Common House“ der Materialien propagiert, folgt in Kürze) und ein Teil der Materialszene, die diesem Thema eine europäische und nicht nur eine nationale Stimme geben möchte. Der neue Jahresbericht 2013/2014 informiert auf der FEMS-Webseite (www.fems.org) über die vielen Aktivitäten, die wir begonnen haben und noch weiter durchführen. Die JUNIOR EUROMAT, die gemeinsam mit der DGM in Lausanne durchgeführt wurde, hat in diesem Jahr mehr als 300 junge Wissenschaftler und Ingenieure aus ganz Europa zusammengebracht (zusätzlich zu jungen Leuten aus Amerika und Asien). Auch hier wollen wir nicht nur bei Althergebrachtem bleiben, sondern versuchen uns stets zu verbessern und neue Ideen zuzulassen. „FEMS is on the move“, mit der EUROMAT 2015 in Warschau (www.euromat2015.fems.org), mit einem neuen EU Projekt, mit neuen Ideen, die wir aus der SWOT Analyse (verantwortlich Dr. Brett Suddell, Vizepräsident FEMS) erarbeitet haben und wir hoffen, Sie unterstützen unser Engagement auch weiterhin in einer guten Zusammenarbeit zwischen DGM und FEMS wie wir sie seit Jahren schätzen. Unser nächster Newsletter kommt demnächst.

Mit besten Wünschen

Ihr DGM Mitglied und FEMS Präsidentin

Margarethe Hofmann-Amtenbrink

 

Mit steter Unterstützung des Management Committee’s bestehend aus Dr. Hugh Dunlop, FEMS Sekretär, Dr. Brett Suddell, Vizepräsident, Prof. Dr. Ehrenfried Zschech, Altpräsident und Prof. Dr. Ludo Froyen, Schatzmeister. Weitere Unterstützung erfährt die FEMS durch das Executive Committee (siehe www.fems.org).