Artikel

Über Implantate, Katheter und Spinnenseide: Zweites europäisches Symposium Euro BioMat für Biomaterialien und bioinspirierte Materialien in Weimar

Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V. (DGM) und ihr Fachausschuss Biomaterialien veranstalteten in der Kulturstadt Weimar zum zweiten Mal das Symposium „Euro BioMAT 2013“. Fast 240 Teilnehmer aus 25 Nationen kamen vom 23. bis 24. April in Weimar zusammen, um sich über die neuesten Forschungsergebnisse zu Biomaterialien und bioinspirierten Materialien auszutauschen. Schwerpunktthemen waren antimikrobielle Implantate und Konzepte, bioinspirierte Materialien, Biomaterial-Anwendungen, Bio-Nano-Materialien sowie dentale Materialien. Begleitet wurde die Tagung von einer Ausstellung, auf der die Firmen JPK Instruments, LOT-Quantum Design GmbH und Rowiak GmbH ihre Hightech-Instrumente vorstellten.

Dr.-Ing. Frank O.R. Fischer, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGM, freut sich über den Erfolg der Tagung: „Mit 83 Vorträgen, 88 Posterbeiträgen und vier Plenarvorträgen von internationalen Koryphäen trug die Tagung dazu bei, herausragende Persönlichkeiten des Fachgebiets zusammen zu bringen und den Austausch über faszinierende wissenschaftliche Erkenntnisse zu fördern.“ Die Euro BioMAT widmet sich der Erzeugung, Charakterisierung, Prüfung und Anwendung von Materialien, die mit biologischen Systemen über Grenzflächen in Kontakt stehen und wechselwirken. Auch Prof. Klaus Jandt von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der gemeinsam mit Dr. Thomas F. Keller (Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY, Hamburg) Vorsitzender des Organisationskomitees der Tagung ist, lobt deren Verlauf: „Die wissenschaftliche Qualität und die Atmosphäre der Euro BioMat waren ausgezeichnet. Die Forscher und Praktiker tauschten sich zwei Tage lang in angenehmer Atmosphäre angeregt über dieses so spannende und stark interdisziplinäre Wissenschafts- und Ingenieursfeld aus.“ Als Beispiel für die Praxisnähe der Tagung führt Jandt etwa den Beitrag von Prof. Wolfram Mittelmeier vom Universitätsklinikum Rostock an: „Der Plenarvortrag zeigt anschaulich die Anwendung bestimmter Biomaterialien im Alltag eines Chirurgen auf.“ Weitere Highlights waren die Plenarvorträge von John Hunt (Universität Liverpool, Großbritannien), Claus-Michael Lehr (Universität des Saarlandes), die vor allem auf die vor uns liegenden Herausforderungen im Bereich Biomaterialien kritisch eingingen und neue Lösungsansätze vorstellten. Der Plenarvortrag von Prof. Henk J. Busscher von der Universität Groningen (Niederlande) zeigt anschaulich die Notwendigkeit neuer Biomaterialien in der Praxis auf. „Prof. Busscher ist weltweit führend im Bereich von Implantatmaterialien, die Infektionen verhindern. Dieses Thema ist sehr wichtig, weil etwa 40 Prozent aller Sterbefälle aufgrund von Infektionen in Krankenhäusern mit dem Einsatz von Biomaterialien zusammenhängen“, so Jandt, der selbst seinen Forschungsschwerpunkt auf antimikrobielle Knochenersatzmaterialien und Knochenzemente legt. Diese werden bei Knochenverletzungen oder Osteoporose (Knochenschwund im Alter) eingesetzt, um den natürlichen Knochen wieder zu stärken.

Materialwissenschaftler, Ingenieure, Physiker, Chemiker und Biologen aus der universitären, außeruniversitären und industriellen Forschung und Entwicklung stehen gemeinsam mit den Medizinern der Situation gegenüber, dass Materialien höchsten Ansprüchen und einer zunehmend herausfordernden biologischen Umgebung genügen müssen. Vor allem in den USA und in Asien gewann das Forschungsthema Biomaterialien in den letzten Jahren an Bedeutung. „Mittlerweile legt Europa aber schnell und kontinuierlich auf diesem Wissensgebiet zu“, so Jandt. Dazu trägt auch der kontinuierliche Austausch in der Fachwelt bei. Die nächste „Euro BioMAT“ ist daher schon in Planung und wird vom 21. bis 22. April 2015 wieder in der schönen Stadt Weimar an der Ilm stattfinden.

Auszeichnen und ehren
Die Tagung war das ideale Umfeld, um herausragende Leistungen im Bereich der Biomaterialien zu würdigen. So wurde Prof. Claus Michael Lehr von der Universität des Saarlandes in Saarbrücken mit dem „International Journal of Nanomedicine Distinguished Scientist Award“ für seine Forschungsarbeiten ausgezeichnet. Am 24. April wurden schließlich die besten Poster mit dem „Dove Press Poster Award“ prämiert, der von dem „International Journal of Nanomedicine“ gesponsert wurde. Alle drei Preise gingen diesmal ausnahmslos an Nachwuchsforscher. „Die Euro BioMAT ist besonders beim Nachwuchs beliebt, da sie ihnen eine Plattform zur Präsentation ihrer Arbeiten gibt und ihnen einen Gedankenaustausch mit führenden Forschern ermöglicht“, sagt Prof. Klaus Jandt. Das beste Poster reichte Dr. Martin Friak vom Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf ein mit einem Beitrag zu „Ab Initio Study of Single-crystalline and Polycrystalline Elastic Properties of Mg-substituted Calcite Crystals“.

 

 

V.l.n.r.: Thomas F. Keller (DESY, Hamburg), Co-Chairman; Martin Friak (Max-Planck-Institut für Eisenforschung, Düsseldorf), 1. Platz Best-Poster-Award; Klaus D. Jandt (Friedrich Schiller-Universität Jena), Chairman; Claudia Lüdecke (Friedrich Schiller-Universität Jena), 2. Platz-Best-Poster-Award; Mariana Oliveira (INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien, Saarbrücken), 3. Platz-Best-Poster-Award; Erik Taylor (International Journal of Nanomedicine, Princeton, USA), Sponsor des BioMAT-Poster Awards.

Eine Auswahl der Fotos finden Sie hier.