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Was wir von Spinnennetzen, Laubfröschen und Wasserwanzen lernen

Euro Bio-inspired Materials 2014 zeigte Verbindung zu Architektur und Design auf.
Wie vermeiden es Laubfrösche in feuchter Umgebung auszurutschen? Was können wir von Spinnennetzen für unser Katastrophenmanagement lernen? Und wie können wir das Wissen über Wasserwanzen nutzen, um den Energieverbrauch großer Frachtschiffe zu reduzieren? Diese und viele anderen faszinierenden Fragen wurden vom 18. bis 21. März 2014 auf der „Euro Bio-inspired Materials“ behandelt. „Mit 5 Übersichtsvorträgen, 40 Vorträgen, 40 Kurzpräsentationen sowie mehr als 120 Postern bot die Euro Bio-inspired Materials 2014 ein spannendes Programm“, freute sich Tagungsleiter Prof. Peter Fratzl vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam. Mehr als 230 Teilnehmer aus 26 Ländern nutzten die Chance und besuchten die Vorträge so renommierter und internationaler Experten wie Prof. Carole Perry, Prof. Stanislav Gorb, Prof. Christine Ortiz, Prof. Neri Oxman, Dr. James Weaver, und Prof. André Studart. „2014 waren wieder viele Studenten und Nachwuchswissenschaftler unter den Teilnehmern“, so Prof. Fratzl. Ein beliebter Programmpunkt war eine spezielle Session zum Einfluss der bio-inspirierten Materialforschung auf die Gestaltungsdisziplinen in Architektur und Design.

Das Besondere an der „Euro Bio-inspired Materials“ ist das ungewöhnliche Tagungskonzept mit nur einer Parallele, Lectures und Short Lectures sowie Diskussionsrunden bis 23:00 Uhr an allen drei Abenden. Gesellschaftlicher Höhepunkt war das gemeinsame Abendessen am 20. März im Filmpark Babelsberg, das inmitten zahlreicher Originalrequisiten in dem Restaurant „Prinz Eisenherz“ stattfand.

Programmhighlight: Re-inventing Design in the Spirit of Biomaterials
Erstmals fand 2014 eine Session zum Thema „Re-inventing Design in the Spirit of Biomaterials“ des „Interdisziplinären Labors Bild Wissen Gestaltung“ und dessen Basisprojekt „Historische Strukturen“ statt. Der Programmpunkt versammelte Experten aus den Bereichen Materialwissenschaften, Design, Architektur, Biologie, Kulturwissenschaft und Restauration. Im Zentrum der Session stand die Frage, wie die aktuelle bio-inspirierte Materialforschung die Gestaltungsdisziplinen Architektur und Design verändert. Dazu wurde die naturwissenschaftliche Materialforschung, architektonische Gestaltung, kulturtheoretische Forschung und implizites Wissen als ein zusammengehöriges Netzwerk betrachtet und in Beziehung gesetzt. Der Fokus lag auf dem Material Holz. Nach dem Plenarvortrag der Designerin Prof. Neri Oxman vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Dr. James Weaver von der Harvard Universität, wurde das Thema durch Impulsvorträge, u.a. durch den Architekten Prof. Achim Menges (ICD Stuttgart) eingeleitet. Die anschließende Podiumsdiskussion stieß auf großes Interesse und wurde ergänzt durch die Materialwissenschaftlerin Prof. Christine Ortiz (MIT), die Biologin Dr. Friederike Saxe (Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung), den Materialwissenschaftler Prof. Ingo Burgert (ETH Zürich) und den Kulturwissenschaftler Prof. Wolfgang Schäffner (Humboldt-Universität Berlin/Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung).

Winter Schools: DFG-Förderschwerpunkte SPP 1420 und SPP 1569 im Blickpunkt
2014 fanden zudem im Vorfeld der Tagung vom 17. bis 18. März zwei internationale Workshops, so genannte „Winter Schools“ statt. Sie widmeten sich den beiden Schwerpunktprogrammen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) SPP 1420 und SPP 1569. Der Workshop zum SPP 1420 vertiefte das Thema „Biomimetic Materials Research: Functionality by Hierarchical Structuring of Materials, in der Winter School zum SPP 1569 erfuhren die Teilnehmer mehr über die „Generation of Multifunctional Inorganic Materials by Molecular Bionics”. Die Workshops vermittelten die Grundlagen der sich überschneidenden Fachgebiete. Auf diese Weise hatten insbesondere junge Wissenschaftler die Möglichkeit, sich mit diesen neuen Themen vertraut zu machen.

Posterpreise: Erstmals Designpreis für die Postergestaltung verliehen
Mehr als 120 Poster begleiteten die Fachtagung, die während zweier „Posterabende“ Gelegenheiten zum Gespräch und zur Diskussion boten. Erstmals wurden die Posterbeiträge von drei Sponsoren unterstützt: den Firmen Bruker Nano GmbH, Springer-Verlag GmbH sowie dem Excellenzcluster „Image Knowledge Gestaltung. An Interdisciplinary Laboratory“ der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Springer-Verlag sowie das Excellenzcluster zeichneten am 20. März die drei Poster-Award-Gewinner im Rahmen des Gesellschaftsabends im Filmpark Babelsberg aus. Der Springer-Verlag bewertete die Poster inhaltlich und fachlich, während das Excellenzcluster die gestalterische Umsetzung des Fachbeitrags prämierte. Den ersten Platz des Springer Award belegte 2014 Hanna Leemreize von der Aarhus Universität in Dänemark mit ihrem Beitrag zum Thema „Probing Heterogenous Materials using Diffraction Tomography“. Weitere Preisträger waren Rafael Libanori von der ETH Zürich sowie Katia Zolotovsky vom MIT. Die Gestaltung der Poster stand im Fokus des Poster Award „Image Knowledge Gestaltung“. In der Kategorie „Classic“ gewann Stefan Flauder von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Katja Zolotovsky vom MIT Cambridge in der Kategorie „New Design“.

Die internationale Tagung „Bio-inspired Materials“ trägt dem Umstand Rechnung, dass sich bio-inspirierte Materialien als neues Feld an der Schnittstelle zwischen Biologie auf der einen und Materialwissenschaft und Werkstofftechnik auf der anderen Seite rasant entwickeln. Sie präsentiert grundsätzliche Forschungsergebnisse, bietet Akteuren aus den Disziplinen Materialwissenschaft, Biologie, Physik und Chemie ein Forum und vernetzt sie mit den Anwendern aus der Industrie. Mit Vorträgen, Poster-Präsentationen und Gelegenheiten zur Diskussion sollen grundlegende Fragen zur Struktur und Funktionsweise geklärt sowie Chancen und Risiken bei der Nutzung bioinspirierter Materialien ausgelotet werden.

Ausblick 2016
Die nächste Tagung „Euro Bio-inspired Materials“ ist schon in Planung. Sie wird im März 2016 in Potsdam stattfinden. 

Veranstaltungswebsite: http://www.dgm.de/past/2014/bio-inspired/
Fotos der Veranstaltung: http://www.dgm.de/past/2014/bio-inspired/fotos2014/